Bei Marmite scheiden sich die Geister. Auch wir von der Redaktion sind offenbar geteilter Meinung. Während bei den einen schon beim Wort Marmite der Mund verkniffen wird, freuen sich die anderen über einen Marmite-Aufstrich auf seinem Butterbrot. Hier gibt es wohl weder Gewinner noch Verlierer. Die Kunst liegt vielmehr darin, möglichst sparsam damit umzugehen – ganz nach dem britischen Motto: Weniger ist mehr. Lust auf mehr? Dann schauen wir uns unseren englischen Klassiker doch einmal genauer an.
Ein Glas, das die Briten spaltet
Kaum ein anderer Brotaufstrich sorgt auf den Britischen Inseln für so unterschiedliche Reaktionen wie Marmite. Das dunkelbraune, würzig-salzige Produkt wird seit 1902 hergestellt und kam ursprünglich aus Burton-upon-Trent, einer Stadt, die eng mit der britischen Bierbrauerei verbunden ist. Denn Marmite entsteht aus konzentriertem Hefeextrakt – einem Nebenprodukt des Bierbrauens.
Und genau das ist vielleicht schon das Geheimnis seines unverwechselbaren Geschmacks: Marmite ist intensiv, aromatisch und ausgesprochen umami. Wer es liebt, möchte sein Glas am Frühstückstisch nicht missen. Wer es nicht mag, dürfte sich fragen, wie man so etwas überhaupt auf Toast streichen kann.
Hauchdünn aufgetragen soll es sein
Bei Marmite gilt tatsächlich eine besondere Regel: Bitte nicht zu dick auftragen! Ein hauchdünner Anstrich auf heißem Toast oder einem knusprigen Crumpet genügt völlig. Die Wärme lässt das Marmite leicht schmelzen und verteilt sein kräftiges Aroma über dem Brot. Doch Marmite kann noch mehr als Frühstück. Der würzige Hefeextrakt eignet sich hervorragend zum Abschmecken von Saucen, Suppen und Käsegerichten. Auch zu überbackenem Käse, Tomaten und Zwiebeln passt die dunkle Paste erstaunlich gut. Ein kleiner Klecks kann einem Gericht dabei eine kräftige, herzhafte Note verleihen.
Und auch ernährungsphysiologisch hat Marmite einiges zu bieten: Das vegetarische beziehungsweise je nach Produkt vegane Lebensmittel ist reich an B-Vitaminen und liefert unter anderem Vitamin B12, Folsäure und Niacin. Dass Marmite nicht nur bei ganz normalen britischen Frühstückstischen beliebt ist, zeigt eine besondere Anekdote aus dem Buckingham Palace. Owen Hodgson, der in den 1990er-Jahren in den Küchen des Palastes arbeitete, erinnerte sich später daran, dass die damalige Queen Elizabeth II. Marmite mochte – insbesondere in Verbindung mit Pilzen.
Ein Brotaufstrich mit Geschichte
Marmite blickt inzwischen auf mehr als 120 Jahre Geschichte zurück. Im Ersten Weltkrieg wurde der vitaminreiche Hefeextrakt sogar Bestandteil der Verpflegung britischer Soldaten. Aus dem ursprünglich eher unscheinbaren Nebenprodukt der Brauindustrie entwickelte sich so ein fester Bestandteil der britischen Esskultur. Heute gehört Marmite für viele Britinnen und Briten ganz selbstverständlich zum Frühstück. Andere wiederum würden das dunkle Glas lieber möglichst weit weg vom eigenen Butterbrot sehen. Genau diese Gegensätze gehören inzwischen zum Mythos des Produkts.


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