Der schärfste Koch Schottlands wird 60
Gordon Ramsay ist für seine scharfe Zunge mindestens genauso berühmt wie für sein Beef Wellington. Der gebürtige Schotte hat sich neben drei Michelin-Sternen ein weltweites Restaurantimperium aufgebaut – und das trotz, oder vielleicht gerade wegen, seines Temperaments, bei dem selbst gestandene Küchenchefs nervös werden. Am 8. November feiert einer der bekanntesten Köche der Welt seinen 60. Geburtstag.
Wer Gordon Ramsay schon einmal im Fernsehen gesehen hat, weiß: In seiner Küche herrscht ein Umgangston, bei dem selbst einem deutschen Feldwebel die Spucke wegbleiben würde. Da fliegen Beschimpfungen durch die Luft, die nicht jugendfrei sind, und missratene Gerichte landen regelmäßig im Müll. Nachwuchsköche in Ramsays Küche werden auf mehr als nur ihr Talent am Kochtopf geprüft – wer hier bestehen will, braucht Nerven aus Stahl und einen Magen wie ein Pferd.
Vom Fußballplatz an den Herd
Dass Gordon Ramsay einmal zu den berühmtesten Köchen der Welt gehören würde, hätte der Junge, der 1966 in Johnstone in Schottland geboren wurde und in Stratford-upon-Avon in England aufwuchs, nicht ahnen können. Der hatte nämlich ganz andere Karrierepläne: Er wollte Profifußballer werden. Immerhin schaffte er es als Jugendlicher zum Probetraining bei den Glasgow Rangers, bevor ihm eine Knieverletzung einen Strich durch die Rechnung machte. Also tauschte er seine Fußballschuhe gegen eine Kochschürze und landete nach einer Ausbildung in der Hotellerie schließlich in den Küchen einiger der besten Restaurants Europas.
Die strenge Schule der Spitzengastronomie
In London arbeitete er zunächst für Marco Pierre White und Albert Roux, zwei Schwergewichte der britischen Spitzengastronomie, die selbst nicht gerade als Kuschelpädagogen mit Samthandschuhen bekannt waren. Anschließend ging es nach Frankreich. Dort schaute er Guy Savoy und Joël Robuchon über die Schulter und lernte, was die französische Küche bis heute auszeichnet: Präzision, erstklassige Zutaten und eine geradezu obsessive Beschäftigung mit Saucen.
1998 war Ramsay schließlich so weit, sein eigenes Restaurant im Londoner Nobelviertel Chelsea zu eröffnen. Der Name war nicht unbedingt ein Maßstab für seine kulinarische Kreativität: Restaurant Gordon Ramsay. Dem Erfolg schadete der fade Name nicht. Schon 2001 wurde sein Restaurant erstmals mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, die höchste Auszeichnung der internationalen Spitzengastronomie. Und die hat Ramsay bis heute behalten – seit mittlerweile einem Vierteljahrhundert.
Ein Küchenchef erobert die Bildschirme
Irgendwann reichte es Gordon Ramsay nicht mehr, seine Köche hinter verschlossenen Küchentüren zusammenzustauchen. Warum auch, wenn Millionen Fernsehzuschauer dabei zusehen können und man ganz nebenbei noch ein paar Pfündchen extra verdient? Mit Sendungen wie Boiling Point, Hell’s Kitchen, Kitchen Nightmares und MasterChef wurde der Schotte zum internationalen Fernsehstar. Das Publikum bekam erstklassige Kochkunst geboten, gewürzt mit massiven Wutausbrüchen, einer guten Prise vernichtender Urteile und einem Schimpfwortschatz, bei dem selbst hartgesottene Schotten schlucken mussten.
Was bei Britain’s Got Talent seit Jahren für Einschaltquoten sorgt, funktionierte offenbar auch in Ramsays Fernsehküche: ein bisschen Talent, jede Menge Drama und möglichst jemanden, der vor laufender Kamera zur Schnecke gemacht wird. Unvergessen ist sein sogenanntes „Idiot Sandwich“: Ramsay hält einer Frau zwei Scheiben Toastbrot an die Ohren und fragt sie, was sie sei. Die Antwort: „An idiot sandwich.“ Die Szene stammt übrigens aus einer Comedy-Parodie für The Late Late Show with James Corden.
Beef Wellington und andere britische Klassiker
So sehr Ramsay seine Kochkünste auch mit französischer Raffinesse verfeinert hat, den heimischen Gerichten blieb der Brite treu. Allen voran beim Beef Wellington. Ein Rinderfilet, eingehüllt in Pilz-Duxelles, Parmaschinken und Blätterteig, das im Ofen möglichst auf den Punkt gegart wird. Klingt überschaubar? Wer schon einmal versucht hat, gleichzeitig einen knusprigen Teig und innen perfekt rosa Fleisch hinzubekommen, weiß es besser. Ramsay hat den britischen Klassiker zu einem seiner Markenzeichen gemacht. Auch Fish and Chips, Shepherd’s Pie und Sticky Toffee Pudding landen regelmäßig in den Töpfen und Pfannen des Schotten. Schließlich muss selbst ein Mann, der bei Joël Robuchon gelernt hat, nicht jeden Sonntag Foie gras und Trüffel essen.
Wo Ramsay noch seinen Senf dazugibt
Mittlerweile betreibt Ramsay Restaurants rund um den Globus, verkauft Burger ebenso erfolgreich wie exklusive Degustationsmenüs, schreibt Kochbücher und produziert Fernsehsendungen. Im Mai 2026 eröffnete Ramsay mit dem Bread Street Kitchen & Bar im 59. Stock von 22 Bishopsgate sein 100. Restaurant. Dort betreibt Ramsay seit Anfang 2025 mehrere Restaurants, darunter das Lucky Cat im 60. Stock und das Restaurant Gordon Ramsay High. Rund 20 Millionen Pfund investierte sein Unternehmen in das Gastronomieprojekt. Höhenangst sollte man bei solchen Geschäftsentscheidungen also besser nicht haben.
Privat ist Ramsay seit 1996 mit seiner Frau Tana verheiratet. Die beiden haben sechs Kinder, von denen Tochter Tilly inzwischen selbst vor der Kamera kocht. Von ihrem brüllenden Vater hat sie sich die Lust am Kochen offensichtlich nicht verderben lassen.
Der Ruhestand steht für Ramsay noch lange nicht auf dem Menü. Im September 2026 erklärte Ramsay dem Magazin Business Traveller, er habe noch immer große Freude daran, sein Unternehmen auszubauen. „Ich schaue nie gern Richtung Ausgang“, sagte er über die Frage nach seinem Ruhestand. Außerdem hat er sich vorgenommen, beim London-Marathon die Marke von dreieinhalb Stunden zu knacken. Bei einem früheren Versuch fehlten ihm gerade einmal 15 Sekunden. Schuld daran seien natürlich die Journalisten gewesen, die ihn während des Laufs interviewten. Manche Dinge ändern sich eben auch mit 60 nicht!


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