Mögen Sie Rotwein? Falls ja, kommt Ihnen in dem Zusammenhang wahrscheinlich nicht unbedingt als Erstes England in den Sinn. Bilder von Weinbergen in der Toskana oder in Frankreich schweben uns vor, wenn wir an kräftige Rotweine in bauchigen Gläsern denken. Dabei hat der Weinanbau in England eine lange Tradition, denn schon die Römer brachten Weinreben mit ins Land. Andere Gebiete und auch Kontinente verdrängten den englischen Wein dann allerdings. Doch gerade in den letzten Jahren erleben wir wieder einen Wandel.
Zu kalt und zu teuer? Oder vielleicht doch ein neuer Trend?
Der Weinanbau in England ist eine Herausforderung und der Anteil von Rotwein ist immer noch relativ gering, was ihn teilweise zu einer teuren Rarität werden lässt. Doch der Klimawandel macht auch vor der Insel nicht halt. Steigende Temperaturen begünstigen den Anbau von Rotweinen. Cornwall liegt übrigens südlicher als einige deutsche Anbaugebiete wie beispielsweise Sachsen und Saale-Unstrut.
Die Noten englischer Rotweine bestechen mit Leichtigkeit und Fruchtigkeit und erfreuen sich gerade in den Sommermonaten steigender Beliebtheit. Dabei ist der Alkoholgehalt vergleichsweise gering, ein Aspekt, der inzwischen immer häufiger begrüßt wird. Wir treffen in England also vermehrt auf sogenannte Glou-Glou-Weine (französischer Begriff für „Gluck-Gluck“), sprich, auf leichte, unkomplizierte Weine, von denen man gerne noch ein zweites Glas trinken möchte. Der entspannte Genuss wird inzwischen auch von Rosé-Liebenden als echte Alternative betrachtet.
Pinot Noir
Neben Chardonnay zählt Pinot Noir mit einem Anteil von knapp 25 % zu den häufigsten Rebsorten, die in England angebaut werden, da gerade diese Rebsorte sich in den Bedingungen Englands hervorragend entwickeln kann. Die Sorte zeichnet sich vor allem durch eine feine Säure und Raffinesse aus. Unterschiedliche Nuancen ergeben sich dabei unter anderem durch die Beschaffenheit des Bodens in den verschiedenen Regionen Englands. Im Rother Valley haben wir es beispielsweise mit gehaltvollen Schaumweinen zu tun, während Kent, Sussex oder auch Hampshire eher geradlinige Stile hervorbringen.
Was man aus den Trauben macht, hängt nicht zuletzt vom Reifegrad ab. Aus Pinot Noir lassen sich auch in England sehr aromatische Roséweine produzieren. Die Herstellung von rotem Pinot Noir hingegen ist eine echte Herausforderung, die aber zunehmend gelingt – nicht zuletzt, weil die Temperaturen steigen. Eine Rebe hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 25 bis 40 Jahren, was bedeutet, dass man das Klima entsprechend vorausschauend einbeziehen kann und muss, wenn man heute neue Reben pflanzt.
Fakt ist, dass sich die Bedingungen für den Anbau von Pinot Noir in England weiter verbessern wird. Der exakte Ort will jedoch mit Bedacht gewählt werden, denn Pinot Noir hat es gerne warm und sonnig und der sonnigste Platz in England ist nicht automatisch auch der wärmste. So kann es in verschiedenen Küstenabschnitten sehr sonnig, aber durch die frische Brise nicht unbedingt warm sein.
Doch es gibt sie, die perfekten Anbaugebiete. Eines davon ist das bereits erwähnte Rother Valley mit hervorragenden Bedingungen, denn die Sommer hier sind warm und trocken und aufgrund von Lehmböden wird die Wärme darüber hinaus auch noch gespeichert.
Ein Besuch auf einem Weingut
Lassen Sie uns einen Blick auf ein kleines familiengeführtes Weingut in Kent werfen, das Weingut Westwell. Direkt am Pilgrims‘ Way gelegen, einem jahrhundertealten Pilgerweg nach Canterbury, hat der Boden so einiges zu bieten, was das Herz eines Winzers oder einer Winzerin höherschlagen lässt, denn er besteht aus einer Mischung aus Feuerstein und sandigem Schlufflehm über Kreidegestein.
Die Familie hat es sich auf die Fahnen geschrieben, das einzigartige Terroir von Kent in ihren Weinen widerzuspiegeln. Dabei begleitet sie jeden Schritt von der Traube bis ins Glas, innovativ, experimentell und mit ganz viel Hingabe. Dadurch hat sich Adrian Pike einen exzellenten Ruf erworben, der ihn zu einem der bekanntesten Winzer Englands macht.
Das Weingut kann sich mit einer Vielzahl an Auszeichnungen schmücken. Wer sich umschauen und erleben möchte, wie hier gearbeitet und gelebt wird, hat dazu eine ganze Reihe an Gelegenheiten, denn es finden regelmäßig Veranstaltungen, Führungen, Weinproben und Workshops statt. Man kann auf dem Weingut heiraten und Theateraufführungen oder Filmvorführungen besuchen. Sogar Hundeausstellungen, Pizzaabende und Supper Clubs gibt es in Westwell – ein Rundumpaket, das es an nichts fehlen lässt.
Aber im Vordergrund steht natürlich der Wein mit einer vielversprechenden Prognose, denn Adrian Pike erwartet eine Produktionssteigerung in der Zukunft. Auf seiner Homepage teilt der Winzer seine Philosophie mit: sorgfältig anbauen, den Boden respektieren und aus hervorragenden Trauben großartige, authentische Weine keltern.
https://www.westwellwines.com/
Englischer Wein ist besser, als es sein Ruf viele Jahre lang war. Und er hat von Jahr zu Jahr mehr zu bieten. Winzer wie Adrian Pike setzen Maßstäbe und sorgen dafür, dass sich England als ernstzunehmendes Weinland immer mehr etabliert. Erleben Sie die Frische und die Eleganz von englischen Weinen und genießen Sie mit jedem Schluck die Aromenvielfalt des Landes. Wir wünschen Ihnen eine angenehme, entspannte und genussreiche Verkostung.


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