Es polarisiert, es spaltet die Gemüter, einige schwören darauf, andere suchen das Weite. Die Rede ist von einem typisch englischen Frühstück, also dem Full English Breakfast, kalorienreich und traditionell. Doch woraus setzt sich diese Mahlzeit eigentlich zusammen?
Die Komponenten
Viel hilft viel, kommt einem vermutlich in den Sinn, wenn man ein Full English Breakfast serviert bekommt. Der Teller ist gut gefüllt, Toast wird extra gereicht. Der Hauptbestandteil des Frühstücks ist herzhaft. Da wären zunächst die Eier – absolut unverzichtbar. Viele Britinnen und Briten bevorzugen Spiegeleier, aber auch Rührei und pochierte Eier sind gängige Varianten. Natürlich dürfen die Eier – in welcher Form auch immer – nicht allein daherkommen, sondern sie brauchen unbedingt ihren festen Partner, den Bacon. Hier gilt, je knuspriger, umso besser. Aber wenn Sie jetzt glauben, dass damit das Thema Fleisch abgehakt ist, dann irren Sie sich gewaltig. Tatsächlich besteht das Full English Breakfast zu einem sehr großen Teil aus Fleisch, denn es fehlen ja noch die Würstchen. Und weil eins bekanntlich keins ist, liegen meist mehrere Prachtexemplare auf dem Teller. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich um relativ kleine Würstchen handelt.
In vielen Gegenden, wie beispielsweise in Lancashire oder Yorkshire, kommt zu Bacon und Würstchen noch der Black Pudding dazu. Dabei handelt es sich um eine traditionelle Blutwurst, die aus Schweineblut, Fett (meist Schweineschmalz) und Getreide hergestellt wird. In England brät man den Black Pudding, in dicke Scheiben geschnitten, in einer Pfanne an, bis er außen knusprig und innen noch weich ist. Je nach Menge der verwendeten Kräuter, Gewürze und Zwiebeln variiert er leicht im Geschmack.
„Wo bleiben denn die Vitamine?“, werden Sie sich vielleicht jetzt fragen. Für pflanzliches Eiweiß und Ballaststoffe sorgen Baked Beans, weiße Bohnen, die in Tomatensoße gebacken werden und die bei keinem Full English Breakfast fehlen dürfen. Außerdem gehören grundsätzlich gebratene Pilze und Tomaten zum Frühstück, die mengenmäßig jedoch häufig nicht im Verhältnis zum Fleischanteil stehen. Dazu wird Toast gereicht und schwarzer Tee getrunken. In Schottland ersetzt man den Black Pudding gerne durch Haggis (Magen eines Schafes, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Hafermehl, Zwiebeln und Gewürzen gefüllt wird), in Irland hingegen bevorzugt man White Pudding, der aus Schweinefleisch, Fett und Getreide besteht und im Gegensatz zum Black Pudding ganz ohne Blut auskommt.
Gibt es auch fleischlose Varianten?
Ja, die gibt es. Denn neben dem Full English Breakfast sind auch alle Arten von Porridge sehr beliebt. In England und Schottland verwendet man ganz klassisch Pinhead Oatmeal (Hafergrütze) als Basis. Die Grütze wird mit Wasser gekocht. Wer lieber Milch mag, kann alternativ auch diese nehmen. Gesüßt wird mit Sirup, Honig oder braunem Zucker. Das Topping bildet Double Cream, eine flüssige, sehr fetthaltige Sahne. Aber auch griechischer Joghurt eignet sich gut. Und zuletzt dürfen natürlich frische Beeren nicht fehlen. Erlaubt ist, was schmeckt.
All denjenigen, die weder Fleisch noch Porridge mögen, sei Toast mit einem süßen Aufstrich ans Herz gelegt, denn auch das gehört für viele zu einem typisch britischen Frühstück. Die bekanntesten Varianten sind Orangenmarmelade und Lemon Curd.
Hätten Sie es gewusst?
Aufstriche mit ganzen Früchten oder Fruchtstücken, also solche, die in Deutschland als Marmelade gelten, heißen in Großbritannien „Jam“. Lediglich Orangenmarmelade und Zitronenmarmelade werden als „Marmalade“ bezeichnet. Da sie auch die Schalen beinhalten, schmecken sie leicht bitter. Jam hingegen ist süß. Den besonderen Kick bekommt eine Marmelade, wenn sie durch einen Schuss Rum oder Gin verfeinert wird.
Menschen mit großem Hunger sei versichert, dass man sich nicht entscheiden muss, sondern durchaus Porridge, Toast mit Marmelade und Full English Breakfast genießen kann. Das ist gar nicht unüblich. Viele Britinnen und Briten verstehen das Frühstück als mehrgängige Mahlzeit. Übrigens startet man neben Tee auch gern mit Fruchtsaft (Orange oder Grapefruit) als Getränk.
Der Zeitfaktor
Auch in England steht man nicht jeden Morgen am Herd und brät Würstchen und Speck. So beliebt das Full English Breakfast auf der Insel auch sein mag, für den täglichen Verzehr ist es dann doch zu aufwendig und zu deftig. Aber spätestens am Wochenende wird geschlemmt, gerne auch im Pub.
Liebe oder Hass?
Während viele Briten ihr Frühstück lieben, wird es von Touristinnen und Touristen häufig mit Vorsicht genossen und als Challenge oder British Experience betrachtet. Und wie ist es bei Ihnen? Sind Sie eher Pro oder Contra Full English Breakfast? Falls Sie es noch nicht wissen, probieren Sie es doch einfach mal aus. Auch in Deutschland gibt es Lokale, die ein englisches Frühstück anbieten.
Wir wünschen einen guten Appetit.


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