Telefon

Unseren Service erreichen Sie
täglich von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr unter
02225 8808 100

Eine schöne englische Landschaft
BLOG
Die feine englische Art

Die Schotten und der berüchtigte frittierte Marsriegel

Die Schotten und der berüchtigte frittierte Marsriegel

Die schottische Küche ist für so manche kulinarische Besonderheit bekannt, doch keine Spezialität ist derart ausgefallen wie der frittierte Marsriegel – auf Englisch "Deep Fried Mars Bar". Einst als kurioser Snack in einem Fish-and-Chips-Laden erfunden, ist die süße Kalorienbombe längst zu einem festen Bestandteil der schottischen Popkultur geworden. Ernährungswissenschaftler schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, Einheimische schmunzeln, Touristen staunen und betrachten das Probieren des Riegels als schottisches Pflichtprogramm.

Die Ursprungsgeschichte

Die gängigste Erzählung führt den frittierten Marsriegel auf die 1990er-Jahre zurück, genauer auf einen Imbissladen namens The Haven in Stonehaven, einer Küstenstadt südlich von Aberdeen. Angeblich fragte 1995 eine Gruppe Studenten aus Spaß, ob man ihnen auch einen Marsriegel frittieren könne. Der damalige Besitzer nahm die Herausforderung an, griff statt zum Fischfilet zum Schokoladenriegel und konnte sich vermutlich nicht vorstellen, was er damit in Gang setzte: Der frittierte Marsriegel verbreitete sich schnell in der Region und schaffte es bald auf die Speisekarten zahlreicher Fish-and-Chips-Läden („Chippies“) in ganz Schottland.

So bekommt der Riegel sein Fett weg

Die Zubereitung ist erstaunlich simpel: Ein Marsriegel wird zunächst gekühlt oder sogar leicht angefroren, damit er beim Ausbacken nicht sofort zerfließt. Bestellt ein Wagemutiger einen Deep-Fried Mars Bar, wird der Riegel einfach in denselben Bierteig getaucht, der auch für den Fisch des Klassikers Fish and Chips verwendet wird. Und in das gleiche heiße Fett wie der Fisch kommt dann auch der Schokoriegel hinein und wird frittiert, bis der Teig goldbraun und knusprig ist. 

Nach dem Herausnehmen sollte man ihn tunlichst kurz abkühlen lassen, ehe man hineinbeißt, da die geschmolzene, zähflüssige Karamell- und Nougatfüllung im Inneren extrem heiß wird. Der Kontrast zwischen herzhaftem Teig und süßer Füllung ist genau das, was den Snack für Fans so reizvoll macht – und für Kritiker so befremdlich. Serviert wird der frittierte Marsriegel meist pur. Wer sich zu einem kulinarischen Höhenflug verleiten lassen will, genießt ihn in Kombination mit einer Kugel Vanilleeis.

Kulinarisches Kuriosum oder ernstes Gesundheitsproblem?

Oft wird der der in Fett gebackene Marsriegel als Symbol für ungesunde Ernährungsgewohnheiten in Schottland herangezogen. Kalorienmäßig ist der Snack tatsächlich ein Schwergewicht: Je nach Zubereitung und Portionsgröße kann ein solcher Marsriegel durch die Kombination aus frittiertem Teig, Zucker und Fett leicht 600 Kalorien erreichen. Der Schokoladengigant Mars distanzierte sich von dieser Variation seines Produktes – es passt so gar nicht in die angestrebte gesundheitsbewusste Außendarstellung des Unternehmens.

Noch heute weist der Chippie in Stonehaven, der sich inzwischen „The Carron Fish Bar“ nennt, mit einem großen Banner über der Tür stolz darauf hin, der Geburtsort des Deep Fried Mars Bars zu sein. Es gab zwar Bestrebungen der Gemeinde, es entfernen zu lassen, aber in dieser Hinsicht sind die Schotten so freiheitsbewusst wie in vielen anderen Dingen: Soll doch jeder das Recht haben, das zu essen, was er will. Und für die meisten Schotten ist der frittierte Marsriegel sowieso nur ein Touristending und allenfalls ein gelegentlicher Spaßsnack, vergleichbar mit anderen "Guilty Pleasures" der Streetfood-Kultur weltweit.

Zur Webseite des Fish-and-Chip-Shops in Stonehaven:  https://www.carronfishbar.com/

Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Redaktion sich die Entscheidung vorbehält, ob und wann Ihr Leserbrief an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Ihre E-Mail Adresse, den Vornamen und Ihren Namen benötigen wir zur Direktkommunikation zu Ihrer Veröffentlichung, etwa um Missbrauch und Fälle von Rechtsverletzungen unterbinden zu können. Ihre Daten werden ausschließlich in Zusammenhang mit dieser Kommentarfunktion genutzt und zu diesem Zweck in elektronischer Form gespeichert. Eine Weitergabe Ihrer Daten oder Teile davon erfolgt ausdrücklich nicht. Die entsprechende Datennutzung akzeptieren Sie mit dem Ausfüllen und Absenden dieses Formulars. Weitere Informationen zum Schutz Ihrer persönlichen Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte füllen Sie das Formular aus (alle Felder müssen ausgefüllt sein).

Leserbriefe (0)

Keine Leserbriefe gefunden!

Neuen Leserbrief schreiben

Mehr aus der Rubrik "Kulinarisches"

Die Schotten und der berüchtigte frittierte Marsriegel

Kulinarisches | von Petra Milde

Die schottische Küche ist für so manche kulinarische Besonderheit bekannt, doch keine Spezialität ist derart ausgefallen wie der frittierte Marsriegel…

Weiterlesen
Britisches Frühstück – Liebe oder Hass?

Kulinarisches | von Susanne Arnold

Es polarisiert, es spaltet die Gemüter, einige schwören darauf, andere suchen das Weite. Die Rede ist von einem typisch englischen Frühstück, also dem…

Weiterlesen
Englischer Wein: Besser als sein Ruf!

Kulinarisches | von Susanne Arnold

Mögen Sie Rotwein? Falls ja, kommt Ihnen in dem Zusammenhang wahrscheinlich nicht unbedingt als Erstes England in den Sinn. Bilder von Weinbergen in…

Weiterlesen
Cornish Pasty

Kulinarisches | von Petra Milde

Wer in Cornwall unterwegs ist, begegnet früher oder später ganz unweigerlich diesem halbmondförmigen und verführerisch duftenden Teigtäschchen. Die…

Weiterlesen