Die schottische Küche ist für so manche kulinarische Besonderheit bekannt, doch keine Spezialität ist derart ausgefallen wie der frittierte Marsriegel – auf Englisch "Deep Fried Mars Bar". Einst als kurioser Snack in einem Fish-and-Chips-Laden erfunden, ist die süße Kalorienbombe längst zu einem festen Bestandteil der schottischen Popkultur geworden. Ernährungswissenschaftler schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, Einheimische schmunzeln, Touristen staunen und betrachten das Probieren des Riegels als schottisches Pflichtprogramm.
Die Ursprungsgeschichte
Die gängigste Erzählung führt den frittierten Marsriegel auf die 1990er-Jahre zurück, genauer auf einen Imbissladen namens The Haven in Stonehaven, einer Küstenstadt südlich von Aberdeen. Angeblich fragte 1995 eine Gruppe Studenten aus Spaß, ob man ihnen auch einen Marsriegel frittieren könne. Der damalige Besitzer nahm die Herausforderung an, griff statt zum Fischfilet zum Schokoladenriegel und konnte sich vermutlich nicht vorstellen, was er damit in Gang setzte: Der frittierte Marsriegel verbreitete sich schnell in der Region und schaffte es bald auf die Speisekarten zahlreicher Fish-and-Chips-Läden („Chippies“) in ganz Schottland.
So bekommt der Riegel sein Fett weg
Die Zubereitung ist erstaunlich simpel: Ein Marsriegel wird zunächst gekühlt oder sogar leicht angefroren, damit er beim Ausbacken nicht sofort zerfließt. Bestellt ein Wagemutiger einen Deep-Fried Mars Bar, wird der Riegel einfach in denselben Bierteig getaucht, der auch für den Fisch des Klassikers Fish and Chips verwendet wird. Und in das gleiche heiße Fett wie der Fisch kommt dann auch der Schokoriegel hinein und wird frittiert, bis der Teig goldbraun und knusprig ist.
Nach dem Herausnehmen sollte man ihn tunlichst kurz abkühlen lassen, ehe man hineinbeißt, da die geschmolzene, zähflüssige Karamell- und Nougatfüllung im Inneren extrem heiß wird. Der Kontrast zwischen herzhaftem Teig und süßer Füllung ist genau das, was den Snack für Fans so reizvoll macht – und für Kritiker so befremdlich. Serviert wird der frittierte Marsriegel meist pur. Wer sich zu einem kulinarischen Höhenflug verleiten lassen will, genießt ihn in Kombination mit einer Kugel Vanilleeis.
Kulinarisches Kuriosum oder ernstes Gesundheitsproblem?
Oft wird der der in Fett gebackene Marsriegel als Symbol für ungesunde Ernährungsgewohnheiten in Schottland herangezogen. Kalorienmäßig ist der Snack tatsächlich ein Schwergewicht: Je nach Zubereitung und Portionsgröße kann ein solcher Marsriegel durch die Kombination aus frittiertem Teig, Zucker und Fett leicht 600 Kalorien erreichen. Der Schokoladengigant Mars distanzierte sich von dieser Variation seines Produktes – es passt so gar nicht in die angestrebte gesundheitsbewusste Außendarstellung des Unternehmens.
Noch heute weist der Chippie in Stonehaven, der sich inzwischen „The Carron Fish Bar“ nennt, mit einem großen Banner über der Tür stolz darauf hin, der Geburtsort des Deep Fried Mars Bars zu sein. Es gab zwar Bestrebungen der Gemeinde, es entfernen zu lassen, aber in dieser Hinsicht sind die Schotten so freiheitsbewusst wie in vielen anderen Dingen: Soll doch jeder das Recht haben, das zu essen, was er will. Und für die meisten Schotten ist der frittierte Marsriegel sowieso nur ein Touristending und allenfalls ein gelegentlicher Spaßsnack, vergleichbar mit anderen "Guilty Pleasures" der Streetfood-Kultur weltweit.
Zur Webseite des Fish-and-Chip-Shops in Stonehaven: https://www.carronfishbar.com/


Suche







Leserbriefe (0)
Keine Leserbriefe gefunden!