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Winston Churchill – Schriftsteller, Historiker, Künstler und Staatsmann

Winston Churchill – Schriftsteller, Historiker, Künstler und Staatsmann

„Ich habe nichts zu bieten außer Blut, Mühe, Tränen und Schweiß.“ Mit diesem Satz begann Winston Churchill am 13. Mai 1940 seine Rede vor dem Kabinett und prägte damit eines seiner bekanntesten Zitate bis zum heutigen Tag. 

Winston Churchill (30.11.1874 – 24.01.1965) zählt zu den berühmtesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er führte Großbritannien durch den Großteil des Zweiten Weltkriegs, trank gern Champagner aus großen Gläsern, auch Imperial Pint genannt, rauchte Zigarren und gilt als Visionär für ein geeintes Europa. Der Begriff des „Eisernen Vorhangs“ ist untrennbar mit ihm verbunden. 

Im Jahr 1953 erhielt er als einziger amtierender Premierminister den Literaturnobelpreis „für seine Meisterschaft in der historischen und biografischen Darstellung sowie für die glänzende Redekunst, mit welcher er als Verteidiger von höchsten menschlichen Werten hervortritt.“

Doch wer war dieser berühmte Mann wirklich? Werfen Sie mit uns einen Blick hinter die Fassade. 

Das Glück der kleinen Dinge

Winston Churchill brauchte nicht viel, um so etwas wie ein Glücksempfinden zu verspüren. Seine Familie und sein Garten waren ihm das Wichtigste und halfen ihm dabei, zur Ruhe zu kommen und sich zu erden. Denn sein Leben verlief alles andere als geradlinig. Es gab finanzielle Durststrecken, daneben Rückschläge sowohl während seiner politischen Karriere als auch im Privatleben, als 1921 seine Tochter Marigold im Alter von nur zwei Jahren starb. 

Seine Frau Clementine und er brauchten einen Rückzugsort, um diesen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten, eine Oase der Ruhe und des Friedens, eine eigene kleine, geschützte Welt. Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, als Winston Churchill im Herbst 1922 das Anwesen Chartwell in der Grafschaft Kent fand. 

Vielleicht war es die Gartenarbeit, das Anlegen von Wassergärten, das Renovieren oder das Erledigen von Reparaturarbeiten, was den Geist des großen Staatsmannes in manch schwieriger Situation zur Ruhe brachte. Und obwohl seine Frau aufgrund der hohen finanziellen Belastung zunächst große Bedenken in Bezug auf den Kauf von Chartwell äußerte, sollte das Anwesen für über vier Jahrzehnte das Zuhause der Churchills bleiben. 

„Die Tage vergehen hier sehr schnell. Ich verbringe sie fast vollständig an der frischen Luft, baue einen Damm (…)“, soll er im Jahr 1925 gesagt haben. Es heißt, das kleine Buchenwäldchen auf dem 32 ha großen Grundstück sei ein Glücksort für ihn gewesen und der Chart, der in der Nähe des Hauses entsprang, habe ihn geradezu in Euphorie versetzt. Churchill baute ein kleines Spielhaus für seine Tochter Mary und nannte es Marycot. 

Chartwell wurde um einen Flügel erweitert und erhielt eine Terrasse mit Sommerhaus. Da es um die Finanzen der Familie aber immer wieder schlecht bestellt war, beschloss er, die Finanzierung des Hauses als Schriftsteller zu unterstützen. 

Churchill, der Schriftsteller

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entstanden neben einer Biografie über Winston Churchills berühmten Vorfahren John Churchill auch Reden, Zeitungsartikel und historische Schriften. Darüber hinaus fertigte er Aufzeichnungen zur europäischen Geschichte an, konnte diese jedoch erst nach dem Krieg fertigstellen und veröffentlichen. Folgende Werke fanden in seinem Arbeitszimmer in Chartwell ihre Vollendung: 

  • Meine frühen Jahre: Weltabenteuer im Dienst (1930)
  • Marlborough (vier Bände 1933-1938)
  • Die Weltkrise 1911-1918 (sechs Bände 1923-1931)
  • Große Zeitgenossen (1937)
  • Der Zweite Weltkrieg (1948-1954)
  • Eine Geschichte der englischsprachigen Völker (1956-1958)

Churchill und die Kunst

Neben dem Schreiben und der Gartenarbeit nutzte Winston Churchill die Malerei, um seinen Gedanken und Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Besonders mochte er Ölfarben. Hunderte von Bildern soll er angefertigt haben, die später zum Teil auf Auktionen hohe Preise erzielten. Ein Umstand, der bei Churchill vermutlich Kopfschütteln oder vielleicht auch Lachen verursacht hätte, denn er sah sich stets als Amateur, wenn er seine Eindrücke von Urlaubsreisen oder von Chartwell in Öl auf Leinwand verewigte. 

Finanzielle Sorgen und der „schwarze Hund“

Zeitlebens hatte die Familie mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor die Partei um Winston Churchill die Unterhauswahlen. Seine Zeit als Premierminister war vorbei. Die Instandhaltungskosten von Chartwell wuchsen der Familie derart über den Kopf, dass nur noch die Möglichkeit eines Verkaufs in Betracht kam. Doch die Churchills sollen gute Freunde gehabt haben, die das Anwesen anonym kauften und schriftlich niederlegten, dass Winston und Clementine Churchill ein lebenslanges Wohnrecht behalten sollten. Heute gehört das Anwesen dem National Trust. 

Neben den finanziellen Sorgen hatte Winston Churchill sein ganzes Leben lang Probleme mit Depressionen, die er selbst als seinen „schwarzen Hund“ bezeichnete, der ihn immer mal wieder heimsuche. Diese Phasen waren von großer Niedergeschlagenheit geprägt, die Churchill mit langen Spaziergängen und der Malerei zu bekämpfen versuchte. Churchill trank übermäßig viel und war dafür berüchtigt, schon am Vormittag damit anzufangen. Er scheute keine Gefahren, überstand Unfälle, Unglücke, Krankheiten. Dennoch wurde er 90 Jahre alt und erlag schließlich im Jahr 1965 einem Schlaganfall. Der britische Arzt Wyn Beasley schreibt in seinem Buch „The Supreme Survivor“: „Wäre Churchill eine Katze gewesen, er hätte seine neun Leben während seiner neun Lebensdekaden aufgebraucht – oder auch deutlich früher.“

Wie alle Persönlichkeiten in politischen Führungspositionen polarisierte auch Winston Churchill. Daran hat sich trotz einer BBC-Umfrage im Jahr 2002, die ihn zum „größten Briten aller Zeiten“ kürte, nichts geändert. Während gerade die älteren Generationen ihn für seine starke Haltung schätzen, für seine aufwühlenden Reden und sein Plädoyer dafür, niemals aufzugeben, kritisieren jüngere Menschen Aussagen des ehemaligen Staatsmannes, die man auch als rassistisch bezeichnen könnte. 

Wie auch immer man über Winston Churchill und seine Politik denken möchte, er war eine starke Persönlichkeit, die oftmals mit sich selbst und dem eigenen Leben ebenso zu kämpfen hatte wie mit dem politischen Weltgeschehen. Ein starker Mann mit einem sehr zerbrechlichen Kern.

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