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Trooping the Colour – Wie britische Uniformen die Herrenmode prägen

Trooping the Colour – Wie britische Uniformen die Herrenmode prägen

Wenn in London im Juni die Fahnen getragen werden, geht es offiziell um den Geburtstag des Königs. Zwar wurde Charles III. erst im November geboren, doch die Parade findet seit Edward VII. traditionell im Frühsommer statt, vor allem aus sehr britischen Wettergründen. In Wahrheit geht es aber auch um Stoffe, Schnitte und Farben. Um rote Tuchröcke, blank polierte Knöpfe, schwarze Bärenfellmützen, weiße Handschuhe, Reitstiefel, Säbel, Kinnriemen und die britische Fähigkeit, aus militärischer Ordnung ein modisches Ereignis zu machen.

Trooping the Colour ist eines der bedeutendsten Events des britischen Sommers. Die Zeremonie hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert, als Soldaten ihre Regimentsflaggen präsentierten, um im Kampf erkannt zu werden. Heute ziehen die Regimenter der Household Division über die Horse Guards Parade und erinnern uns daran, dass Großbritannien Modegeschichte nicht nur in Modeateliers, sondern auch in Kasernen, auf Schiffen und in Reitställen geschrieben hat.

Der rote Rock und seine Varianten

Die bekannteste britische Uniform ist der rote Rock der Foot Guards. Grenadier Guards, Coldstream Guards, Scots Guards, Irish Guards und Welsh Guards unterscheiden sich für den ungeübten Blick oft nur durch kleine Details: Knopfreihen, Kragenabzeichen oder Federbüsche an der Bärenfellmütze. Viele Elemente dieser Uniformen wirken auch heute noch erstaunlich modern. Klare Linien, lange Mäntel, strukturierte Schulterpartien und dekorative Knöpfe tauchen immer wieder in der britischen Herrenmode auf.

Der rote Rock war niemals nur Dekoration. Über Jahrhunderte symbolisierte er Macht, Disziplin und Einschüchterung. In den schottischen Highlands wurde die Uniform der britischen Armee nach dem Jakobitenaufstand zum Zeichen staatlicher Kontrolle. Dieses Bild erscheint häufig in Literatur und Popkultur. In der Serie Outlander etwa wird Captain Jack Randall im roten Rock zur Verkörperung britischer Härte und Gewalt. Die makellose Uniform unterstreicht die Wirkung seiner Figur deutlich.

Die Uniform in der Popkultur

Diese militärisch geprägte Ästhetik hat die Herrenmode stärker beeinflusst, als man auf den ersten Blick vermutet. Der hohe Kragen, die gerade Schulterlinie, der schlichte Mantel, die Knopfreihe als Schmuck und Statussymbol – all das sind typische Merkmale. Auch die Popkultur hat diese Optik immer wieder aufgegriffen. 

Das Cover des legendären Beatles-Albums Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band machte fantasievolle Militäruniformen Ende der sechziger Jahre weltweit bekannt. Michael Jackson trug in den achtziger Jahren auf der Bühne und bei öffentlichen Auftritten militärisch inspirierte Jacken mit Goldborten und Schulterdetails. In Großbritannien wurden lange Militärmäntel später Teil des Stils von Bands wie Oasis. Noch immer greifen Designerhäuser regelmäßig auf Uniformdetails zurück – von Offiziersmänteln bis zu Messingknöpfen und hohen Stehkragen.

Marineblau hat historische Wurzeln

Auch die Royal Navy hat der Mode ein umfassendes Vokabular verliehen: dunkles Marineblau, Doppelreiher, schwere Wollmäntel und goldene Knöpfe. Der Peacoat und die Reefer-Jacke sind nach wie vor essenzielle Bestandteile der klassischen Herrengarderobe. Ursprünglich entworfen für Wind, Salz, Regen und Kälte auf See, ist Navyblau weiterhin überall im britischen Stil präsent – in Blazern, Offiziersmänteln, Clubjacken, Schuluniformen und Abendgarderobe. Viele dieser Schnitte stammen direkt aus der Marine.

Der Einfluss der Household Cavalry ist ebenfalls sichtbar: Brustpanzer, Helme, Reithosen und hohe schwarze Stiefel prägen noch immer das Bild der Regimenter. Daraus entstanden Reitmäntel, taillierte Blazer, schmale Hosen im Stiefelstil sowie schwere Wollstoffe, die die britische Country-Mode auch heutzutage beeinflussen. Marken wie Barbour, Hackett, Holland & Holland oder Cordings greifen diese Designelemente noch immer auf.

Vom Schützengraben auf den Laufsteg

Das wohl bekannteste Beispiel ist der Trenchcoat, der ursprünglich für Offiziere im Ersten Weltkrieg entwickelt und später zum festen Bestandteil der Alltagsmode wurde. Marken wie Burberry und Aquascutum machten aus dem Funktionsmantel einen Klassiker, bei dem Epauletten, Gürtel, Sturmklappe, D-Ringe und wasserabweisender Stoff zunächst ganz konkrete Aufgaben hatten.

Auch Modedesigner greifen immer wieder auf Uniformen zurück, weil ihre Schnitte dem Körper sofort Kontur geben. Alexander McQueen verwendete militärisch inspirierte Silhouetten, schmale Taillen und klare Linien, während Vivienne Westwood Uniformjacken, Tartans und historische Designelemente mit Punk und britischer Subkultur verband. Offiziersmäntel, Marineknöpfe, Combat Boots und Field Jackets sind längst Teil der Alltagsmode und erscheinen fast jedes Jahr in neuen Kollektionen.

Bei Trooping the Colour lässt sich jährlich beobachten, wie stark diese Tradition bis heute die britische Mode beeinflusst. Ein dunkelblauer Doppelreiher, ein Trenchcoat oder ein schwerer Wollmantel tragen noch immer Spuren ihrer militärischen Herkunft.

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