Großbritannien ist das Land der Hüte! So vermitteln es uns Magazine, Blogs, soziale Medien und das Fernsehen. In unserer Vorstellung tragen Britinnen und Briten also meist Hut – ein uraltes Bild, das sich in unseren Köpfen verankert hat und dort stetig genährt wird. Doch wie steht es eigentlich um die britische Hutkultur? Und ist sie immer noch so ausgeprägt wie in vergangenen Zeiten?
Man ist, was man auf dem Kopf trägt
Im Mittelalter ließ sich am Hut – insbesondere bei Männern – der Rang ablesen. Es handelte sich sozusagen um ein sichtbares gesellschaftliches Statussymbol. Bei Frauen ging es in erster Linie darum, das Haar zu bedecken, denn unbedecktes Haar galt als unschicklich. Es heißt, dass Hüte während des Englischen Bürgerkriegs auch zur Rebellion genutzt wurden, als sich Männer weigerten, ihren Hut vor Ranghöheren zu ziehen.
Rückschlüsse auf Epochen, Berufe, öffentliche Rollen und Anlässe ziehen – allein anhand der getragenen Hüte. Hüte waren stets Ausdruck einer Identität und bedienten sich einer eigenen Sprache, die keiner Worte bedurfte. Es war ein großer Unterschied, ob man einen Zylinder, einen Bowler Hut oder eine Kappe trug. Dieser Umstand sprach Bände.
Natürlich war und ist es neben sämtlichen anderen Faktoren auch dem Wetter in Großbritannien geschuldet, dass dort traditionell viele Hüte getragen werden – auch wenn der Hut seit Mitte des 20. Jahrhunderts kein zwingendes Accessoire mehr ist. Hüte hatten und haben eine nicht zu unterschätzende funktionale Notwendigkeit, insbesondere in Zeiten, als Regenschirme noch keine Alltagsgegenstände und beheizte Räume rar waren.
Langlebigkeit statt kurzfristiger Modeerscheinungen
In Großbritannien kann man auf eine lange und traditionsreiche Hutmachergeschichte zurückblicken, bei der die Langlebigkeit der Hüte im Vordergrund stand. Seit dem 17. Jahrhundert bildeten die Hutmacher ein starkes Netzwerk, das vor allem in London ausgeprägt war. Und auch heute legt man in der Branche noch Wert auf Material, Formstabilität und Beständigkeit. Die Hutmacherinnen und Hutmacher lassen nichts auf ihren guten Ruf kommen, streben nach Perfektion und erschaffen Kopfbedeckungen, die als Maßanfertigungen mit ihren Trägerinnen und Trägern altern dürfen. Aktuelle Trends bedienen, die schneller vorbeiziehen als ein Wimpernschlag und dafür am Ende an Qualität einsparen? Fehlanzeige!
Entwicklung
Kaum ein Gegenstand verbindet so sehr die Vergangenheit mit der Gegenwart wie ein Hut. Ein Hut passt sich an und trägt gleichzeitig Vergangenheit und Tradition mit sich. Klassische Formen und Stile werden heute neu interpretiert, aber niemals ohne den Nachhall der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte.
Welcher Hut zu welchem Anlass?
Obwohl heute eine gewisse Wahlfreiheit in Bezug auf die jeweilige Kopfbedeckung gegeben ist, gelten Regeln, die man natürlich nicht einhalten muss, aber sollte.
Zu Hochzeiten beispielsweise erfreut sich der Fascinator nach wie vor großer Beliebtheit. Für die klassische kirchliche Trauung ist hingegen ein Hut mit großer Krempe die elegantere Wahl, allerdings sollte das Sichtfeld der weiter hinten sitzenden Personen nicht allzu sehr eingeschränkt werden. Für eine abendliche Hochzeitsfeier eignen sich Pillbox-Hüte. Aufgrund ihres schlichten Stils eignen sie sich hervorragend für formelle Anlässe aller Art. Weniger ist hier manchmal mehr. Wer es etwas auffälliger mag, wählt einen Saucer hat (Tellerhut) und setzt ihn sich leicht schräg auf den Kopf.
Zu Pferderennen (Royal Ascot) darf es extravagant zugehen. Hier ist der Hut Pflicht! Grenzen gibt es im Grunde nicht und man lässt sich zu diesem Anlass kostspielige Kunstwerke anfertigen. Wundern dürfte sich inzwischen niemand mehr, weder über ganze Gewächshäuser auf dem Kopf, noch über Eistüten oder Teetassen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Originalität gewinnt!
Schlicht hingegen hält man es bei Beerdigungen. Ein dezenter schwarzer Hut oder Fascinator ist hier das Maß der Dinge.
Und was tragen die Herren?
Mit dem Klassiker Fedora oder Trilby (Fedora mit kurzer Krempe) kann man nicht viel falsch machen. Beide sind vielseitig verwendbar und passen sowohl zu einem Anzug als auch zu einem schicken Freizeitlook. Und dann gibt es da natürlich auch noch die Melone, etwas old school vielleicht, aber immer noch schick. Die Melone erfordert in jedem Fall einen Anzug. Wer sich in Country-Look wohler fühlt, greift zur Flat Cap (Schiebermütze). Und sollte eine Gartenparty anstehen, macht sich auch ein Panama-Hut gut – er bietet zudem idealen Sonnenschutz.
Wichtig ist die Gesichtsform
Für jeden Hut gilt allerdings: Beachten Sie Ihre Gesichtsform. Gerade Frauen sollten bei dem Griff nach einem Hut aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten berücksichtigen, ob sie eher ein rundes, spitzes oder eckiges Gesicht haben. Nicht jeder Hut schmeichelt jedem Gesichtstyp. Lassen Sie sich beraten. Auch die Körpergröße spielt eine wichtige Rolle.
Zum Abschluss noch die wichtigste Grundregel:
Tragen Sie keinen aufwendigen Hut zu einem auffälligen Kleid. Entweder das Kleid sollte auffallen, oder der Hut. Beides ist too much!
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Anprobieren.


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