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Ramsey Island: Geologie und Seevögel

Steingebäude oberhalb der steilen Klippen von Ramsey Island

Wer im Sommer die walisische Küste besucht, hofft oft auf eine Begegnung mit dem ikonischen Papageientaucher. Unsere Bootstour mit „Thousand Islands Expeditions“ rund um Ramsey Island im Juli zeigte jedoch, dass die Natur sich nicht programmieren lässt. Obwohl die erhofften Puffins ausblieben, bot die Ausfahrt ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis, das vor allem durch geologische Einblicke, ungestörte Tierbeobachtungen und eine persönliche Atmosphäre überzeugte. Für letztere sorgte ein pensionierter Polizist, der als Vogelkenner unser offizieller Guide an Bord war.

Unsere Reise begann am kleinen Hafen von St. Justinian, wo uns die Crew auf Walisisch und Englisch herzlich empfing. Wie man es in Großbritannien oft erlebt, war das Briefing professionell und höflich zugleich, was sofort Vertrauen schuf. Schließlich ging es ja auch hinaus auf die Irische See. So heißt das Meer zwischen Wales und Irland. Das wendige Erkundungsboot setzte schnell Kurs auf die Insel Ramsey, die von der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) verwaltet wird. Auf Walisisch heißt sie übrigens „Ynys Dewi“, was so viel bedeutet wie die Insel des Heiligen David. Ihm zu Ehren wurde in der nächstgelegenen Stadt St. Davids die wunderschöne Kathedrale gebaut. 

(https://blog.the-british-shop.de/view/st-davids-die-kleinste-stadt-in-grossbritannien)

 

Einblicke in die Erdgeschichte

Als sich herausstellte, dass die Papageientaucher an diesem Tag nicht zu sehen sein würden, übernahm unser Guide das Wort. Der pensionierte Polizist Bill erwies sich als seltener Glücksfall für die Gruppe. Statt einer standardisierten Tour lieferte er fundierte Fakten zur Geologie der Insel, die weit über das übliche Touristenwissen hinausgingen. Zudem ging er auf einzelne Fragen der Gruppe ein und beantwortete sie ausführlich – wir hatten einen wahren Geschichtenerzähler an Bord!

Bill erklärte uns die komplexe Entstehungsgeschichte der bis zu 120 Meter hohen Klippen, die wir zunächst aus der Ferne betrachteten. Diese Formationen bestehen aus uralten vulkanischen Gesteinsschichten und Schiefer, die über 400 Millionen Jahre alt sind. Es war faszinierend zu lernen, wie tektonische Kräfte das Gestein falteten und emporhoben, bevor Wind und Wasser begannen, die heutige dramatische Küstenlinie mit ihren Inseln zu formen. Ein Höhepunkt der Fahrt war das vorsichtige Ansteuern einer kleinen Grotte. Wo das Tageslicht schwand und das Echo der Wellen lauter wurde, konnte man die unterschiedlichen Gesteinsschichten und Mineralienverfärbungen aus nächster Nähe betrachten, die Bill zuvor beschrieben hatte. 

 

Artenvielfalt ohne Andrang

Die Abwesenheit der Puffins tat der Tierbeobachtung kaum Abbruch. Wir sahen zwar keine Papageientaucher, aber dafür eine beeindruckende Vielfalt anderer Seevögel. Tausende von Trottellummen (Guillemots) und Tordalken (Razorbills) bevölkerten die schmalen Felsbänder der Klippen, wo sie ihre Eier direkt auf dem Stein ausbrüten. Auch Eissturmvögel (Fulmar) und Sturmtaucher (Manx Shearwater) waren in großer Zahl zu beobachten. Bill empfiehlt dafür die Monate Mai bis Juli. Tatsächlich brüten keine Papageientaucher mehr auf Ramsey. Man sehe sie dafür regelmäßig im Wasser schwimmen oder fischen, nur nicht an unserem Ausflugstag. Wer also „mit Garantie“ diese süßen Vögel beobachten möchte, dem empfiehlt sich eine Fahrt zur Insel Skomer (längerer Anfahrtsweg per Schiff).

Besonders lohnend war der Blick auf die Wasserlinie. An mehreren Stellen, wo flache Felsen aus der Irischen See ragten, beobachteten wir Kegelrobben beim „Faulenzen“. Dutzende dieser Tiere lagen entspannt in der Julisonne, ungestört von unserem Boot, das einen respektvollen Abstand hielt. Was diese Ausfahrt besonders auszeichnete, war die „Ruhe“ auf dem Wasser. Während man bei ähnlichen Touren im Mittelmeer oft in einer Karawane von Booten fährt und Attraktionen im Minutentakt „abarbeitet“, hatten wir hier das Meer fast für uns allein. Diese Exklusivität, gepaart mit der sachkundigen Führung und der unberührten Natur, wertete das Erlebnis erheblich auf.

Wirtschaftlicher Wandel an der Küste

Die Fahrt bot auch Einblicke in den wirtschaftlichen Wandel der Region. Solche naturkundlichen Ausfahrten scheinen sich für junge Einheimische und Bootsbesitzer mittlerweile mehr zu lohnen als die traditionelle Fischerei.

Unser Skipper selbst bestätigte diese Beobachtung. Er erklärte uns, dass das Durchschnittsalter der verbliebenen Fischer mittlerweile bei etwa 60 Jahren liegt. Für die jüngere Generation sei dieser harte und oft unsichere Beruf kaum noch attraktiv. Der Tourismus, insbesondere der umweltverträgliche Naturtourismus rund um Ramsey Island, bietet hier eine alternative Einnahmequelle, die offenbar Zukunft hat.

Diese Tour hat gezeigt, dass man manchmal die eigenen Erwartungen anpassen muss, um die wahren Qualitäten eines Reiseziels zu entdecken. Ramsey Island bietet auch ohne Puffins ein eindrucksvolles und exklusives Naturerlebnis, das seinen Preis wert ist.

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