Wer im August freiwillig in den Süden fährt, um sich bei vierzig Grad im Schatten auf einer knallroten Plastikliege von der Sonne rösten zu lassen, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Es geht aber auch anders. Und vor allem: handverlesen, wetterhart und bei einer Lufttemperatur, bei der niemand am ersten Ferientag schon das Handtuch wirft.
Deshalb: Ab in den Norden. Rüber auf die Inseln, wo der Atlantik den Takt angibt und das Thermometer noch weiß, was sich gehört. Wer glaubt, er müsse dafür in irgendeinem seelenlosen Betonbunker absteigen, irrt gewaltig. Der moderne Reisende will seine Ruhe haben – und zwar an Orten, die Charakter besitzen und eine Geschichte erzählen, die man bei jedem Schritt durch die knarzende Diele spürt.
Die Drei von Donegal: Cobblestone Cottage
Ganz im Nordwesten Irlands, wo die Klippen dem Meer die Stirn bieten, verteilen sich drei feine Anwesen von Cobblestone Cottage am Wild Atlantic Way. Keine steril durchgestylte Touristenfalle, sondern auserlesene Heritage-Hütten mit Ecken, Kanten und Charakter, passgenau in die raue Landschaft gerammt.
Das originale Cobblestone Cottage liegt als friedlicher Zufluchtsort auf Arranmore Island, nur einen Katzensprung von der Fähre entfernt. Hier draußen, hoch über dem Atlantik, ticken die Uhren nach den Gezeiten. Ein altes Steinhaus, wie man es sich wünscht: dicke Mauern, Kopfsteinpflasterböden, ein offener Kamin, der nach Torf duftet und – als technischer Geniestreich für echte Kerle und ihre Begleitung – eine heiße Kupfer-Außendusche mit Blick über die umliegenden Inseln und die Küste Donegals.
Nur eine Ecke weiter auf dem Festland, zwischen zwei Traumstränden in Mullaghduff und unweit des Flughafens Carrickfinn, steht das Garden Cottage & Carriage House. Hier stolpert man nicht über platte Werbeversprechen, sondern über echten irischen Granit, großzügige Gärten mit Blick auf Donegals sanfte Hügel, sorgfältig ausgewählte Kunst und das verlässliche Fundament für alles, was nass, windig und schlammig wird. Komplettiert wird das Trio durch The Captain’s Nest, direkt am Hafen von Bunbeg, wo unten die alten Fischerboote im seichten Wasser schaukeln und abends im Pub die Geige quietscht. Seefahrerromantik pur, ohne jeden Firlefanz.
Sturmerprobt auf den Hebriden: Tigh an Boireach Cottage
Noch eine Schippe rauer und ungeschützter wird es weiter nördlich auf den Äußeren Hebriden. Das Tigh an Boireach Cottage auf North Uist ist kein Schickimicki-Palast, sondern eine an harte Bedingungen angepasste Trutzburg für echte Entdecker.
Die Unterkunft verbindet traditionellen Charakter mit einer schnörkellosen, modernen Ausstattung, die man nach langen Märschen durch den irrlichternden Torf und Schlamm schlicht zu schätzen weiß. Die Küche ist perfekt eingerichtet, um sich nach stundenlangem Wind und Wetter am Atlantik ein anständiges Mahl zu kochen. Und wenn die feuchte Kälte durch die Ritzen kriecht, sorgt der elektrische Kamin auf Knopfdruck für wohlige Wärme, ohne dass man erst noch mühsam feuchtes Holz spalten muss. Die endlose Weite des Himmels und die raue, unberührte Schönheit der Insel tun ihr Übriges, um den Kopf restlos freizubekommen.
Schottlands architektonischer Wurf: 57 Nord in Wester Ross
Wer noch weiter nach Norden will, biegt bei 57 Nord in der schottischen Region Wester Ross ab. Die dortigen Hideaways – das Sky House und das Hill House – sind das genaue Gegenteil von allem, was uns die Standardtourismusindustrie als Luxus verkaufen will. Hier gibt es keine vergoldeten Wasserhähne, sondern eine kompromisslose Reduktion auf das Wesentliche.
Eingebettet in die spektakuläre Wildnis, wo die massiven Berge direkt auf das offene Meer treffen, bieten diese Boutique-Unterkünfte die pure Stille als Gegenmittel zum hektischen Alltag. Der Luxus zeigt sich hier beim Faulenzen am Kamin, beim Genießen regionaler Köstlichkeiten oder beim ausgiebigen Bad in der tiefeingelassenen Steinwanne, während draußen der Wind über die Hochmoore streicht. Obwohl die Lage an der Küste herrlich abgelegen wirkt, sind legendäre Destillerien, exzellente Restaurants und spektakuläre Wanderwege in kürzester Zeit erreichbar.
Das Bootshaus am See: Old Court Hideaway
Und weil die britischen Inseln nun mal eine unerschöpfliche Fundgrube für alte Gemäuer mit Geschichte sind, führt der Weg weiter nach Nordirland an das Ufer des Strangford Lough. Das Old Court Hideaway wurde ursprünglich im Jahr 1852 als schlichte Bootsreparaturwerkstatt auf dem Grundstück des Old Court Estate errichtet. Heute gehört es der Familie Maxwell und wurde mit viel Gespür für Stil restauriert.
Das Interieur ist maritim und gemütlich, geprägt von warmem Holz und einer privaten Terrasse, die einen ungestörten Blick über das Wasser bietet. Mit etwas Glück tauchen im See sogar Seehunde oder Delfine auf. Wer über das weitläufige, geschichtsträchtige Anwesen streift, stolpert unvermittelt an einer privaten Kapelle aus dem Jahr 1629 vorbei – kein Wunder, dass dieser Ort als absoluter Geheimtipp für intime Hochzeiten gilt. Und wenn der Hunger ruft, sind renommierte Adressen wie das Artisan Cookhouse oder The Cuan in Strangford mit ihrem frischen Meeresfrüchte-Angebot nur wenige Minuten entfernt.
Die Holzklasse im Park: Birch Cabins
Wer schließlich bei den Birch Cabins am historischen Florida Manor in Killinchy in Nordirland landet, merkt schnell: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht, statt einfach nur Betten in die Landschaft zu stellen. Das Hauptgebäude ist ein prächtiges Palladian Estate aus dem Jahr 1676, das der Familie Lagan gehört – und drumherum, fein verteilt im alten Park, stehen acht Holz-Cabins für Leute, die zwar raus in die Natur wollen, aber ungern auf dem Zeltboden schlafen.
Drinnen gibt es alles, was das verwöhnte Herz begehrt, ohne dass es gleich nach Luxusherberge aussieht: King-Size-Betten, Küchenzeilen für den schnellen Kaffee und private Balkone mit Blick auf einen baumbestandenen See. Wer nach dem Marsch durch den Schlamm Ausgleich sucht, springt unter die begehbare Regendusche, setzt sich in den schwedischen Holz-Hot-Tub im Freien oder schwitzt in der finnischen Seesauna direkt am Ufer.
Dazu kommt der lokale Stolz, der hier aus jeder Ecke grinst: gewebte Decken von Mourne Textiles, Keramik von Annadale Brickworks und Möbel direkt aus Belfast. Und wer nach all der Natur doch noch einen bürgerlichen Abend verbringen will, findet mit Lokalen wie Daft Eddies, The Poachers Pocket oder Balloo House erstklassige Küche gleich um die Ecke.
Warum also sich im Süden der Hitze aussetzen? Der Spätsommer im Norden ist die einzig wahre Erholung. Luft zum Atmen, Platz zum Denken und ein Motor, der nach der Anreise endlich mal wieder auf Normaltemperatur abkühlt.


Suche







Leserbriefe (0)
Keine Leserbriefe gefunden!