Der Schauspieler und Sänger Tim Curry feiert seinen 80. Geburtstag. Und das ist ein wunderbarer Anlass, einen Mann zu ehren, der wie kaum ein anderer die Popkultur geprägt hat – und sich auch von einem Schicksalsschlag nicht unterkriegen ließ.
Mit einem Flunkern auf die Bühne
Tim Curry wurde als Timothy James Curry 1946 in Grappenhall, England, geboren. Seine Karriere begann auf der Bühne, denn 1968 gehörte er zum Original-Ensemble des Musicals "Hair“ in London. Sein Einstieg dort war keinesfalls selbstverständlich. Als man ihn beim Vorsprechen fragte, ob er Berufserfahrung und eine Gewerkschaftskarte hätte, log der junge Tim kurzerhand. Beides konnte er nicht vorweisen. Die Produzenten fanden das natürlich über kurz oder lang heraus. Sie waren jedoch so beeindruckt von seinem Auftreten, dass sie ihn bei der dringend notwendigen Gewerkschaftsmitgliedschaft unterstützten und ins Ensemble aufnahmen. Doch trotz dieses Glücksfalls empfand Tim Curry die Produktion als zu chaotisch – zumal er nach eigener Aussage letztlich nur im Hintergrund hin- und herhüpfen durfte. Also wechselte er zu anderen Bühnenensembles – unter anderem zur Royal Shakespeare Company und sammelte zudem etwas TV-Erfahrung. Zu dieser Zeit war er oft in Londons Theaterszene unterwegs und der Schauspieler Ian McKellen erzählte einmal, dass Tim Curry immer der Typ war, der auf Partys in der Ecke stand und nie den Mund aufbekam. Doch das tat seiner Karriere keinen Abbruch, denn auf der Bühne hatte der schüchterne Schauspieler eine enorme Präsenz.
The Rocky Horror Show – Die Geburt einer Legende
1973 bekam er wohl auch deswegen eine Einladung von Richard O’Brien, einem ehemaligen Mitspieler aus „Hair“. Tim Curry sollte zu einem Vorsingen für dessen neues Musical The Rocky Horror Show kommen. Tim Curry tauchte auf, sang den Song Tutti Frutti – und bekam die Rolle, obwohl O’Brien eigentlich schon einen anderen Schauspieler im Kopf hatte. Im selben Jahr feierte „The Rocky Horror Show“ Bühnenpremiere – und mit ihm Curry als exzentrischer Wissenschaftler, der statt Laborkittel lieber Strapse und Korsett trägt. Zwei Jahre später wurde das Stück verfilmt und die kunterbunte Musikshow auf der Kinoleinwand namens „The Rocky Horror Picture Show“ machte Tim Curry zum Star.
Der Film läuft bis heute in Kinos, wo er vom kostümierten Publikum lautstark gefeiert, zitiert und nachgespielt wird. Tim Curry selbst sagte einmal über das, was sich da im Zuschauerraum der Kinos abspielt: „The Rocky Horror Picture Show gibt dem Publikum die Erlaubnis, sich ein wenig daneben zu benehmen.“ Und selbst Prinzessin Diana soll ihm auf einer Veranstaltung einmal gesagt haben: „Danke, dass Sie meine Erziehung vervollständigt haben.“ Das konnte der Schauspieler kaum glauben, aber die Princess of Wales meinte das vollkommen ernst.
Vom Horrorclown bis zu King Arthur
Nach „The Rocky Horror Picture Show“ wurde Tim Curry gerne für Rollen gebucht, die man nicht so schnell vergisst: 1990 spielte er zum Beispiel Pennywise, den Horror-Clown aus Stephen Kings „Es“. Und das mit gar schauderhafter Intensität, denn dieser Clown hat wirklich ganze Generationen das Fürchten gelehrt. Was sicher auch daran liegt, dass Curry ihn mit einer Mischung aus Charme und subtiler Bosheit meisterhaft auf die Leinwand brachte.
Als schmieriger Concierge in „Kevin – Allein in New York“ brachte er dann Kinder zum Lachen, als Long John Silver in „Muppets – Die Schatzinsel“ zeigte er, was ein echter Pirat ist und als King Arthur in „Spamalot“ bewies er erneut sein komisches Bühnentalent.
Schicksalsschlag und Neuausrichtung
Das Schicksal meinte es jedoch nicht immer gut mit dem Ausnahmetalent: 2012 erlitt Tim Curry einen schweren Schlaganfall und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Viele hätten sich an diesem Punkt vermutlich zurückgezogen, aber er fand neue Wege. Nach einer Auszeit widmete er sich weiterhin intensiv seinen Synchronarbeiten für Animationsfilme und Videospiele – ein Bereich, in dem er schon Jahre zuvor, etwa als böser Imperator in „Brütal Legend“ oder als Premierminister in „Command & Conquer“, brilliert hatte. 2016 tauchte er zur Freude der Fans sogar noch einmal als „The Criminologist“ in der TV-Neuauflage der „Rocky Horror Picture Show“ auf und bewies dabei erneut seinen unverwüstlichen Humor.
Und dann folgte 2024 eine riesige Überraschung, als Tim Curry mit einem Cameo im Film „Stream“ auf die große Leinwand zurückkehrte – sein erster Auftritt in einem Kinofilm seit 14 Jahren!
Tim Curry: Mit Humor in die Zukunft
Curry verkörpert wie kaum ein anderer die Freiheit, anders zu sein. Ob als Frank-N-Furter, der alle Normen bricht, oder als Pennywise, der tief sitzende Ängste weckt – seine Rollen bleiben unvergessen. Selbst nach seinem Schlaganfall bewies er, dass Kreativität keine Grenzen kennt. Vor allem sein Humor, den er als Teil seiner DNA bezeichnet, half ihm durch die schwierigen Jahre.
Mit 80 Jahren ist Tim Curry eine echte Inspiration. Und wer weiß: Vielleicht überrascht er uns noch öfter. Happy Birthday, Tim Curry!


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