Um kaum eine andere Stadt ranken sich so viele skurrile Geschichten und Skandale wie um die Hauptstadt Großbritanniens.
Viele skandalöse Geschichten wurden und werden tagtäglich in Großbritannien und ganz besonders in der Hauptstadt London erzählt. Sie handeln von Churchill, der angeblich im Zweiten Weltkrieg die U-Bahn fluten wollte, um den Nazis eine Falle zu stellen. Oder vom Big Ben, der 1956 einen Riss hatte und ohne aufwendige Reparatur nie wieder geläutet hätte. Von Geistern, Spionen und geheimen Bordellen mit bekannten Persönlichkeiten unter der Kundschaft wurde gerade im viktorianischen London hinter vorgehaltener Hand getuschelt.
Und wussten Sie beispielsweise, dass der Panikknopf in den Kapseln von London Eye zu Beginn (Eröffnung im Jahr 2000) für den Türöffner gehalten wurde, den die Fahrgäste des Riesenrads munter betätigten? Dabei öffnen und schließen sich die Türen der Kapseln vollautomatisch. Das manuelle Eingreifen löste wiederholt Alarme aus.
Lassen Sie uns sehen, welche Anekdoten London noch zu bieten hat.
Justizirrtum
Als einer der größten Justizirrtümer gilt der Post-Office-Skandal, bei dem von 1999 bis 2015 über 700 Mitarbeitende zu Unrecht verurteilt und teilweise sogar inhaftiert wurden. Was war passiert? Die Buchhaltungssoftware Horizon von der japanischen Firma Fujitsu hatte fehlerhafte Abrechnungen erstellt, die fälschlicherweise den Mitarbeitenden angelastet wurden. Die Post selbst hielt lange an dem angeblich fehlerfreien Programm fest und beteuerte, es handele sich um Einzelfälle. Die Schuld wurde auf die entsprechenden Filialleiter abgewälzt – mit weitreichenden und tragischen Folgen. Die Verurteilten mussten hohe Strafen zahlen, verloren teilweise alles und kamen ins Gefängnis. Einige nahmen sich das Leben. Von einem Kampf „David gegen Goliath“ war die Rede. Inzwischen gab es Entschädigungszahlungen, die jedoch noch immer nicht komplett abgegolten sind. Der Fernsehsender ITV sendete einen Vierteiler von Regisseur James Strong über den Justizskandal, der den Fall erneut in den Fokus der Öffentlichkeit rückte und die Regierung zum schnelleren Handeln drängte.
Die schlafende Queen
Viele werden sich an das Jahr 1982 erinnern, als es Michael Fagan am frühen Morgen des 09. Juli gelang, sich in das Schlafzimmer der Queen im Buckingham Palast zu schleichen und dort minutenlang am Bett von Elizabeth II zu sitzen, bis das Wachpersonal eingriff. Fagan wurde verhaftet und kam für einige Monate in eine psychiatrische Klinik. In der Netflix-Serie The Crown greift Peter Morgan diese Szene in Staffel 4 auf. Michael Fagan zeigte sich über die Darstellung, die seiner Meinung nach mit verzerrten oder gar komplett falschen Angaben und Details aufwartete, wenig begeistert. Im Gespräch mit der britischen The Sun beschwerte er sich sowohl über die Wahl des Schauspielers als auch über den realitätsfremden Ablauf. Er sei nie herumgeschlichen, sondern habe einfach nur die Queen gesucht, beteuerte er. Außerdem habe er keine Vase zerbrochen wie es dem Schauspieler Tom Brooke in der Serie passiert, dies sei frei erfunden. Schließlich wäre er selbstverständlich in einem solchen Fall für den Schaden aufgekommen, wenn dieser Fauxpas der Wahrheit entspräche. Auch habe er keine ganze Flasche Rotwein geleert, sondern lediglich eine halbe im Büro von Prinz Charles. Seine Darstellung in Form von Tom Brooke empfindet er als viel zu respektlos. So habe er sich keinen Moment lang verhalten, erklärte er The Sun. Außerdem hätte er sich nach eigenen Angaben einen Schauspieler mit mehr optischer Übereinstimmung gewünscht, aber er sei ja nicht gefragt worden. Über seinen Bekanntheitsgrad dürfte sich der inzwischen 77-jährige ehemalige Buckingham Palast-Einbrecher indes wohl nicht beschweren, denn der bekam durch die Serie sicherlich noch einmal ganz neuen Aufwind.
Architektonischer Fauxpas
Auch das 2014 fertiggestellte Hochhaus 20 Fenchurch Street das aufgrund seiner Form auch als Walkie-Talkie-Gebäude bezeichnet wird, ist nicht frei von Skandalen, Hohn und Spott. Ganze 200 Meter sollte es ursprünglich in den Himmel ragen, tatsächlich wurden es dann aufgrund der Nähe zu St Pauls Cathedral und dem Tower of London nur 160 Meter. Die Glasfassade des Gebäudes ist gekrümmt und genau hier kam es zum Problem für Besitzende eines Fahrzeugs, die dieses auf einem der Parkplätze abgestellt hatten. Auf den Fahrzeugen reflektierten die vom Glas und von der Sonne stark gebündelten Strahlen so stark, dass es zu zahlreichen Kunststoffschäden kam. Die betroffenen Parkplätze mussten gesperrt werden. Im Jahr 2015 erhielt TheWalkie-Talkie den Carbuncle Cup (Eiterbeulenpreis). Dabei handelt es sich um den Preis für das hässlichste Gebäude, das während der letzten zwölf Monate in Großbritannien fertiggestellt wurde.
Entscheidung aus Liebe
Einer der größten Königshaus-Skandale der Geschichte dürfte sich am 11. Dezember 1936 zugetragen haben als König Edward VIII sich gegen die Krone und für die US-Amerikanerin Wallis Simpson entschied. Diese war bereits zweifach geschieden und eine Heirat mit dem Monarchen kam weder für die anglikanische Kirche noch für die britische Regierung in Frage. Edward übergab den Thron kurzerhand an seinen Bruder George (den Vater der späteren Queen Elizabeth II) und spaltete damit die Gemüter. Während die einen nicht verstehen konnten wie man sich gegen die Krone und für eine Frau entscheiden konnte, die bereits zwei Scheidungen hinter sich hatte, regten die anderen sich darüber auf, dass Edward überhaupt zu einer solchen Wahl gezwungen wurde und plädierten für beides, Thron und Heirat. Das Ergebnis ist Geschichte. George wurde König, nach ihm wurde Elizabeth Königin und nach ihr der derzeit amtierende Charles III.
Eins steht indes fest: es bleibt spannend! Welche Geschichten wird uns die Zukunft wohl noch bringen?


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