Vom 11. bis 17. Mai 2026 bringt die London Craft Week wieder Hunderte von Ausstellungen, Workshops, Studiobesuchen und Sonderformaten in der ganzen Stadt zusammen. Mehr als 1.000 Kunsthandwerker, Designer, Marken und Galerien sind beteiligt.
Die London Craft Week ist längst zu einem festen Termin im Kulturkalender geworden. Das Festival verteilt sich über die ganze Stadt, von Sotheby’s über Shoreditch bis zum OXO Tower Wharf, und genau diese Bandbreite macht es so interessant. Neben fertigen Objekten stehen auch Herstellungsprozesse, Techniken und Einblicke in die Werkstätten im Fokus. Das Spektrum reicht von Keramik und Silber über Textil, Glas, Buchbinderei und Stickerei bis hin zu Restaurierung und Maßanfertigung.
Sotheby’s, Keramik und die Royal School of Needlework
Ein Schwerpunkt liegt 2026 erneut bei Sotheby’s. Dort läuft mit Crafted at Sotheby’s ein größeres Programm, das verschiedene Medien und handwerkliche Disziplinen zusammenführt. Hinzu kommt Secret Ceramics, eine anonyme Verkaufsausstellung mit 100 gespendeten Keramikarbeiten von bekannten und aufstrebenden Künstlern.
Verkauft wird ohne Namensnennung. Erst nach dem Kauf wird aufgelöst, von wem das jeweilige Stück stammt. Der Erlös geht an FiredUp4 Clay Clubs, ein Projekt, das Keramikkurse für junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen ermöglicht. Vertreten sind im Auktionshaus außerdem die Royal School of Needlework, Ruup & Form, Vessel Gallery, Intoart, Cavaliero Finn und Mark Campden mit Lustre Ceramics. Sotheby’s präsentiert nicht nur Objekte in Vitrinen, sondern auch Handwerkskünste wie Stickerei, Keramik und Restaurierung.
Shoreditch und die jüngere Szene
Wer eher junge Werke sehen will, landet bei Future Icons Selects in Shoreditch. Die Ausstellung findet 2026 in ihrer bislang größten Ausgabe in der Rivington Street statt und versteht sich als Plattform für experimentellere, zeitgenössische Arbeiten. Dort lässt sich gut erkennen, wie breit das Feld inzwischen geworden ist: von Keramik und Schmuck über Möbel, Glas und Materialexperimente bis hin zu Arbeiten zwischen Kunstobjekt und Gebrauchsgegenstand.
Shoreditch passt gut dazu, weil das Format weniger auf große Traditionsnamen als auf neue Handschriften setzt. Wer sich also dafür interessiert, was neue Gestalter heute mit Material und Technik anfangen, bekommt hier einen sehr guten Überblick.
OXO Tower Wharf und der direkte Kontakt zu den Werkstätten
Am OXO Tower Wharf geht es stärker um Studios, Werkstätten und den direkten Kontakt zu den Herstellern. Dort öffnen Läden, Showrooms und Ateliers ihre Türen; dazu kommen Demonstrationen, Workshops und kleinere Ausstellungen. Unter anderem werden Schmuck, Keramik, Lederarbeiten, Seide und Textilien ausgestellt. Wer nicht nur schauen, sondern auch kaufen oder direkt bei den Kunsthandwerkern etwas in Auftrag geben möchte, ist hier besser aufgehoben als in den stärker kuratierten Großformaten.
Gerade solche Orte machen die London Craft Week so wertvoll. Man bekommt nicht nur einen Überblick, sondern auch konkrete Adressen, Namen und Ateliers, die man später wieder aufsuchen kann.
Von Stickerei bis Buchbinderei
Das Programm 2026 ist so breit, dass man sich am besten nach den Techniken orientiert. Hand & Lock bietet Stickerei-Workshops an; im National Army Museum geht es um die Nadelarbeit der britischen Armee. Designer Bookbinders zeigen zeitgenössische Buchkunst; bei The Courtauld gibt es einen Marbling-Workshop mit Marmor-Paperie; Corston setzt auf Steinmetzarbeit und Buchbinden. Dazu kommen Maison Michel, Christian Louboutin mit Personalisierung, The Lacquer Company mit Son-Mai-Lacktechnik, Soane Britain mit Rattan und Weavers in Residence sowie Paul Smith’s Foundation British Glass.
Auch die Museen sind beteiligt. Das Victoria and Albert Museum macht ägyptische Khayamiyya, japanische Teekultur und Lackkunst, britische Silberschmiedekunst sowie Töpfern mit „In the Potter’s Hands“ erlebbar. Solche Beiträge erweitern das Festival um historische und technische Zusammenhänge.
Warum das Programm 2026 interessant ist
Besonders spannend an der London Craft Week 2026 ist die bunte Vielfalt. Neben bekannten Häusern wie Sotheby’s, Fortnum & Mason, The Conran Shop oder dem V&A stehen kleinere Manufakturen, Galerien, Ausbildungsorte und Initiativen wie Cockpit, Bishopsland Educational Trust oder West Dean. Dazu kommen internationale Beiträge aus Thailand, Indonesien, Singapur, China und Österreich. Man sieht also nicht nur britisches Handwerk, sondern auch, wie stark London inzwischen als Schaufenster für Techniken und Materialien aus verschiedenen Ländern genutzt wird.
Wer die London Craft Week besuchen will, braucht deshalb weniger eine große Theorie über Handwerk als einen guten Plan. Sotheby’s für Keramik und Stickerei, Shoreditch für junge Talente, OXO für Werkstätten und direkten Kontakt, das V&A für Technik und Kontext. Genau darin liegt die Stärke dieses Festivals. Es zeigt nicht nur schöne Dinge, sondern auch, wer sie macht, wie sie entstehen und warum es sich lohnt, genauer hinzusehen.


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