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Happy Birthday, Beatrix Potter!

Happy Birthday, Beatrix Potter!

Wer kennt sie nicht, die Geschichten von Peter Hase und Jemima Pratschel-Watschel? Heute vor 160 Jahren wurde ihre großartige Erfinderin Beatrix Potter in London geboren. Anlässlich dieses Ehrentages möchten wir einen Blick auf ihr Leben und ihr Schaffen werfen, das so viele Kinder und Erwachsene bis heute berührt und begeistert. 

Kindheit und Jugend

Beatrix Potter wurde am 28. Juli 1866 im Haus Nr. 2, Bolton Gardens in Kensington/London geboren. Die Familie war gut situiert, lebte in einem schönen Haus mit Garten und beschäftigte Personal. Beatrix Potter hatte – ihrer sozialen Schicht entsprechend – eine Gouvernante und wurde zu Hause sowohl erzogen als auch unterrichtet. Es muss bisweilen ein recht einsames Leben für die junge Beatrix gewesen sein, denn Kontakt zu anderen Kindern gab es wenig. Dafür genoss sie die Privilegien eines gut betuchten Elternhauses, hatte Zugang zu Kunst, Literatur und Wissenschaft und reiste viel. Beatrix wurde in Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet, aber auch in Sprachen wie Französisch und Latein. Eine besondere Gabe entwickelte sie jedoch für das Zeichnen, dem sie mit großer Leidenschaft nachging und ganze Skizzenbücher füllte. 

Die Vorliebe für Tiere dürfte auf der Tatsache beruhen, dass es im und um das Haus der Familie herum zahlreiche Haustiere gab, die von Beatrix natürlich ebenfalls gezeichnet wurden. Schließlich beschloss man, eine Zeichenlehrerin zu engagieren, um das Talent weiter zu fördern. Im illustren Freundeskreis der Familie gab es zudem eine bekannte Kunstkritikerin, die ihrerseits wiederum eine weitere Lehrerin für Ölmalerei vermittelte. Allerdings schätzte Beatrix diesen Unterricht nicht sonderlich. Was sie hingegen liebte, waren Besuche in Galerien und Kunstausstellungen. Besonders hatte es ihr der Maler William Turner angetan. 

Während eines Sommeraufenthaltes in Lancashire lernte Beatrix den Pfarrvikar Hardwick Drummond Rawnsley kennen, der mit seinen damals gerade mal 26 Jahren nicht nur eine bemerkenswerte Lebensgeschichte zu erzählen wusste – er hatte unter anderem in den Slums gearbeitet –, sondern auch sehr belesen war, Natur und die Fotografie liebte und der vor allem das Talent der jungen Beatrix erkannte. Dieser Kontakt prägte das weitere Leben der späteren Schriftstellerin und festigte ihre Bindung zu diesem landschaftlichen Teil Englands. 

Junges Erwachsenenleben und Langeweile

Wenn man zur viktorianischen Zeit in einer relativ reichen Familie aufwuchs, gab es gesellschaftliche Regeln. Zum Beispiel endete der Unterricht für junge Frauen im Alter von etwa 17 oder 18 Jahren. Dann wurde man in die Gesellschaft eingeführt und sozusagen auf den Heiratsmarkt geworfen. Bis zur Hochzeit gab es nicht viel zu tun, Müßiggang und Besuche bei Verwandten bestimmten die Tage, Wochen und Monate. Eine Tristesse, die Beatrix nicht sonderlich gefiel. 

Bei jungen Männern sah der Werdegang etwas anders aus und so besuchte ihr Bruder zunächst ein Internat, ging anschließend auf Reisen und studierte dann, was dazu führte, dass er kaum zu Hause war und Beatrix als Gesprächspartner fehlte. So vertrieb sie sich die Zeit mit dem Schreiben von Tagebucheinträgen, die auf eine für sie kaum auszuhaltende Langeweile schließen lassen. 

Das Verhältnis zu ihrer Mutter war sehr angespannt, da sie die Zügel streng zog und Beatrix keinerlei Eigenleben gestattete. In ihrem Tagebuch beschreibt Beatrix ihre Mutter sogar als ihre Feindin. Verbote waren an der Tagesordnung. Wollte Beatrix einen Ausflug machen, wurde ihr beispielsweise die Kutsche verwehrt. 

Entfaltungsmöglichkeiten gab es nicht, was zu Krankheit und depressiven Phasen führte. Auch in Bezug auf in Frage kommende Heiratskandidaten herrschte keine Einigkeit. Niemand konnte den Ansprüchen von Helen Potter gerecht werden. Erst im Alter von 28 Jahren unternahm Beatrix gegen den Willen ihrer Mutter eine Reise allein. 

Erste berufliche Erfolge

Zu Ostern 1890 hatte Beatrix sechs Grußkarten gezeichnet, die ihr Bruder zum Verlag Hildesheimer & Faulkner brachte – der erste Scheck traf ein und mit ihm ein Auftrag für weitere Skizzen. Eine Geschäftsbeziehung entstand. Es folgten naturkundliche Illustrationen, bis Beatrix damit begann, „Bilderbriefe“ an Kinder aus dem Bekanntenkreis zu verschicken. Darin trat 1893 erstmals Peter Hase in Erscheinung, dessen Vorlage ihr eigenes Kaninchen war. Am 2. Oktober 1902 wurde „Die Geschichte von Peter Hase“ veröffentlicht. Die Erstauflage war bereits vor Erscheinen vergriffen. Später sollte das Buch zum Longseller und erfolgreichsten Werk der Schriftstellerin werden. Insgesamt wurden 23 Bücher von Beatrix Potter veröffentlicht, alle in einem extra für Kinderhände angefertigten, kleinen Format.

Eigenes Leben

Beruflich hatte Beatrix engen Kontakt zu dem Verleger Norman Warne. Die beiden schrieben sich viele Briefe und die Verbindung wurde zunehmend enger. Das stieß auf großen Widerstand seitens Helen Potter, die Warne – wie sollte es auch anders sein – für keine angemessene Partie hielt. Als Warne um die Hand von Beatrix anhielt und sie ihren Eltern mitteilte, dass sie seinen Antrag annehmen wolle, kam es zum Bruch. Die Eltern erlaubten schließlich die Verlobung unter der Bedingung, dass sie nicht öffentlich bekannt gemacht werden dürfe. 

Doch Norman Warne starb im August des Jahres 1905, bevor die Hochzeit stattfinden konnte. Beatrix war zutiefst betrübt. Und weil sie zudem dem Korsett, das ihre Mutter ihr nach wie vor anlegte, ebenso entkommen wollte wie den Regeln der feinen Gesellschaft, kaufte sie noch im selben Jahr Hill Top, eine Farm im südlichen Teil des Lake District. Beatrix war zu der Zeit bereits 39 Jahre alt. Das Geld für den Kauf brachte sie selbst auf. Es stammte aus Honoraren und einer Erbschaft. 

Nun stürzte sie sich in die Umgestaltung von Haus und Garten und in die Gartenarbeit. Sie renovierte, möblierte und ließ Haus und Landschaft miteinander verschmelzen. Der Verwalter bekam einen eigenen Anbau. In ihrem ganz eigenen Domizil fand sie – auch wenn es nur der Zweitwohnsitz war – Trost, Zuflucht und Inspiration. Hier entstanden „Die Geschichte von Feuchtel Fischer“ im Jahr 1906, „Die Geschichte von Stoffel Kätzchen“ im Jahr 1907, „Die Geschichte von Jemima Pratschel-Watschel“ im Jahr 1908, „Die Geschichte von Bernhard Schnauzbart“ ebenfalls 1908 und „Die Geschichte von Hans Hausmaus“ im Jahr 1918.

1913 heiratete Beatrix den ortsansässigen Anwalt William Heelis und zog mit ihm in Castle Cottage am anderen Ende des Dorfes, das sie, neben einigen anderen Gebäuden inzwischen erworben hatte. Hill Top Farm nutzte sie jedoch weiterhin, um dort zu arbeiten. Fortan lebte sie zwei Leben. Sie war Mrs Heelis, die sich selbst als eine Art Bäuerin sah und sich aktiv an der Lokalpolitik beteiligte, um sich für die traditionelle Lebensweise der Landbevölkerung einzusetzen. Und sie war die erfolgreiche Kinderbuchautorin und Illustratorin Beatrix Potter. 

Sie starb im Dezember 1943, ihren Besitz erbte der National Trust. 

Und so können wir uns auch heute noch an dem Vermächtnis dieser einzigartigen Frau erfreuen, zum einen natürlich an ihren Büchern, die ungebrochen beliebt sind, zum anderen an dem Ort, der ihr so viel gegeben hat und die Entstehung so mancher „Figur“ durch seine inspirierende Wirkung erst möglich werden ließ. Der Garten von Hill Top sieht noch nahezu so aus wie damals, als Beatrix hier werkelte. Im Winter ist er kahl, doch im Frühling und Sommer erstrahlt alles in den wundervollsten Farben – jedes Jahr. 

Happy Birthday, Beatrix Potter!

 

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