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Freedom & Whisky: Traditionelle Tartans und die Wahrheit unter dem Kilt

Freedom & Whisky: Traditionelle Tartans und die Wahrheit unter dem Kilt

Die Hochzeit der Autorin

Während in Großbritannien am 6. März bereits die letzte Staffel von Outlander anläuft und die weibliche Bevölkerung von Dover bis Dundee mit angehaltenem Atem dem Finale entgegenfiebert, aktualisieren deutsche Fans die Streaming-Portale wie andere Leute den Wetterbericht. Ein deutscher Starttermin? Noch nicht in Sicht. Geduld? Begrenzt. Also tun wir das, was kultivierte Menschen in Wartepositionen eben tun: Wir bilden uns weiter. 

Und wir widmen uns natürlich auch der Frage, die jede Diskussion über Kilts früher oder später erreicht: Was trägt Mann eigentlich darunter?

Von kariertem Stoff zum Nationalkostüm

Tartans sind älter als jede TV-Serie. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass es auf den britischen Inseln bereits im 3. Jahrhundert kariertes Wollgewebe gab. Damals allerdings ohne Clan-Zugehörigkeit. Das Muster entstand ganz pragmatisch: Unterschiedlich gefärbte Wollfäden wurden im Wechsel verwebt. Fertig war das Raster.

Der berühmte Kilt kam erst viel später. Ursprünglich trugen die Highlander im 16. Jahrhundert den sogenannten „Great Kilt“, ein großes, rechteckiges Tuch, das man um den Körper wickelte und bei Bedarf auch als Decke nutzte. Multifunktionalität, lange bevor Outdoor-Marken das Wort erfanden. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus der kürzere, heute bekannte Kilt. Der Stoff war zuerst da, der Schnitt kam später.

Traditionell werden Tartans in Schottland gewebt, vor allem in den Lowlands, wo sich Textilmanufakturen etablierten. Wolle ist das Material der Wahl: robust, warm und wetterfest. Getragen wird der Kilt mit Sporran, Strümpfen, Jacke – und dem stoisch-schottischen Selbstbewusstsein, das auch den Mann im Rock gut aussehen lässt.

Das Ende der Highlander-Kultur

Wer die zweite Staffel von Outlander gesehen hat und den Beginn der dritten noch in Erinnerung hat, weiß, was die Schlacht von Culloden 1746 bedeutete. Die jakobitischen Highlander unter Charles Edward Stuart verloren gegen die britische Armee. Mit dieser Niederlage endete nicht nur der Aufstand, sondern auch eine ganze Epoche der Highland-Kultur.

In der Folge erließen die britischen Behörden den sogenannten Dress Act von 1746. Das Tragen von Highland-Kleidung – darunter auch Tartan und Kilt – wurde verboten. Wer dennoch in traditioneller Kleidung erschien, riskierte Strafen oder Haft. Der Tartan wurde vom Alltagsgewand zum politischen Symbol.

Erst 1782 wurde das Verbot aufgehoben. Als Tartans im 19. Jahrhundert wieder offiziell getragen wurden, waren sie längst mehr als nur Stoff. Sie standen für Identität, Erinnerung und Widerstand.

Royal Stewart: Der königliche Stoff

Der Royal Stewart Tartan ist eines der bekanntesten Muster Schottlands. Er ist dem britischen Königshaus zugeordnet und gilt als persönlicher Tartan des Monarchen. Seine kräftige rote Grundfarbe wird von blauen, grünen und gelben Linien durchzogen.

Historisch entwickelte sich die enge Verbindung zum Haus Stuart im 19. Jahrhundert, als Tartans im Zuge der romantischen Wiederentdeckung der Highlands systematisch Clans und Dynastien zugeordnet wurden. Die formale Verwendung des Royal Stewart ist dem Monarchen vorbehalten, dennoch wird das Muster weltweit getragen – insbesondere als Accessoire wie Schals oder Krawatten.

Wie viele Tartans existiert auch der Royal Stewart in unterschiedlichen Farbvarianten. Die „Modern“-Version zeigt kräftige, gesättigte Farben. Die „Ancient“-Variante verwendet hellere, an pflanzliche Färbemethoden erinnernde Töne. Zusätzlich gibt es oft „Weathered“- oder „Muted“-Versionen mit gedämpften Farbabstufungen, die einen historischen Charakter betonen.

Clan Mackenzie: Politische Bedeutung in den Highlands

Der aus der Outlander-Serie bekannte Mackenzie Tartan ist vor allem durch dunkle Blau- und Grüntöne geprägt, ergänzt durch rote Linien. Der Clan Mackenzie spielte ab dem 15. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in den nordwestlichen Highlands und war sowohl politisch als auch militärisch einflussreich.

Auch hier gibt es mehrere Varianten: „Modern“, „Ancient“ und teilweise „Hunting“. Letztere zeichnet sich meist durch dunklere, weniger kontrastreiche Farben aus und wurde traditionell für Aktivitäten im Freien verwendet.

Die Zuordnung von Tartans zu Clans wurde im 19. Jahrhundert systematisiert. Zuvor waren Muster stärker regional geprägt und weniger strikt familiär gebunden. Die heutige Clan-Zuordnung ist daher historisch gewachsen, aber in Teilen auch eine viktorianische Konstruktion.

MacDonald: Einer der größten Clans Schottlands

Der MacDonald Tartan gehört zu den ältesten und bekanntesten Clan-Mustern. Der Clan MacDonald war im Mittelalter einer der mächtigsten Clans in den Highlands und kontrollierte große Gebiete im Westen Schottlands.

Das Muster wird traditionell von kräftigen Rottönen dominiert, ergänzt durch Grün, Blau und Gelb. Aufgrund der Größe und der zahlreichen Linien des Clans gibt es mehrere Untervarianten, darunter MacDonald of Clanranald, MacDonald of Sleat und MacDonald of Glencoe.

Auch hier unterscheidet man zwischen „Modern“, „Ancient“ und teilweise „Dress“-Versionen. „Dress“-Tartans enthalten häufig weiße oder hellere Elemente und wurden für formelle Anlässe entwickelt.

MacAllister: Historische und persönliche Verwandtschaft 

Der MacAllister Tartan ist mit dem Clan MacDonald verwandt, da der Clan MacAllister historisch als Nebenlinie gilt. Der Name leitet sich von „Mac Alasdair“ ab, was „Sohn des Alexander“ bedeutet.

Das Muster ist in der Regel von Grün- und Blautönen geprägt und wirkt strukturierter und zurückhaltender als die stark roten Varianten der MacDonalds. Tartans werden heute sowohl industriell als auch in traditionellen Webereien in Schottland hergestellt. Maßgeschneiderte Kilts entstehen häufig in spezialisierten Schneidereien, insbesondere in Städten wie Glasgow und Edinburgh.

Als gebürtiger Nordire mit schottischer Abstammung, deren Wurzeln bis in den Clan MacDonald zurückreichen, trägt man selbstverständlich keinen Kilt von der Stange. Mein Mann ließ seinen Kilt in Schottland maßanfertigen – im Ancient MacAllister Tartan. Dazu kombinierte er ein schwarzes Prince-Charlie-Jacket mit passender Weste und silbernen Knöpfen, einen Sporran mit Pelzbesatz, kniehohe schwarze Kilt-Strümpfe mit MacAllister-Flashes und traditionelle Ghillie-Brogues, deren lange Schnürsenkel um den Knöchel gebunden werden. Am Revers das passende Clan-Emblem, der Fortifier, dazu ein weißes Hemd – und eben jenes stoisch-schottische Selbstbewusstsein, das zum Kilt dazugehört.

Und seit jener Hochzeitsnacht kenne ich auch die Antwort auf die am häufigsten gestellte Frage zum Schotten im Rock. Sagen wir es so: Wer in Staffel 3 die Episode „Freedom & Whisky“ gesehen hat, versteht, wenn ich sage: In Schottland nimmt man Freiheit ebenso wörtlich wie den Whisky.

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Leserbriefe (2)

  • Hans Peter Kraft
    vor 6 Tagen
    In Ergänzung zu dem lesenswerten Artikel Whisky und Tartans möchte ich noch folgendes ergänzen.
    Nach dem verlorenen Jakobiten Aufstand von 1746 und dem äusserlichen Verlust ihrer kulturellen Identität änderte sich das teilweise bereits 1756, mit dem Beginn des siebenjährigen Krieges . Die Krone brauchte Soldaten , und in der Folgezeit wurden bis zu den napoleonischen Kriegen mehrere Hochland Regimenter ausgehoben. Dies unter Mithilfe einiger Clan Chiefs, welche dadurch ihren verlorenen politischen und wirtschaftlichen Einfluss wiederherstellten.
    Diese Regimenter trugen durchweg den traditionellen Kilt zum roten Uniformrock und hatten neben Trommlern auch Dudelsackpfeifer in ihren Reihen Somit die Urväter der heutigen Pipebands. Damit hatte die gleiche britische Armee, die 1746 massgeblich zur Auslöschung der Highland Identität beitrug , dafür gesorgt, dass diese nicht für immer ausstarb, sondern eine stolze Tradition begründete..
    Als Grundmuster dieser Kilts wurde der bereits bestehende dunkelgrün/ blaue Black Watch oder Government Tartan verwandt.( Dienstältestes Hochland Regiment) Bei den Gordon Highlanders mit einem gelben Überstreifenkaro, bei den Seaforth Highlanders mit einem roten und weissen Überstreifen. ( Ausnahme Cameron Highlanders )
    Diese Militär-Kilts unterschieden sich rein äusserlich vom rein zivilen Clan Tartan dadurch, dass sie „ pleated on stripe „ waren, d.h. die Faltenlegung auf der Rückseite erfolgte jeweils auf den gelben ( Gordons) oder weissen ( MacKenzie) Überstreifen.
    Da der Kilt bis in die 1930er Jahre nicht nur zum alltäglichen Dienst sondern auch im Feld getragen wurde , bestand er aus einer sehr viel schwereren und robusteren Webart als der übliche zivile Kilt.. Sie waren auch im Hüftbereich höher geschnitten. Diese Militär Kilts konnte man in den 70ern noch sehr preiswert und reichlich bei den military surplus Händlern im UK erwerben.
    Mein eigener stammt aus den 50ern und ist immer noch top. Leider passt er mir heute nur noch in der Länge, ist aber nicht mit zunehmendem Leibesumfang mitgewachsen . Schade .
    Mein erster ziviler Kilt war übrigens im Culloden Tartan , also ein regionaler, kein Clan Tartan. Einigen Quellen zufolge entstammt das Muster einem tatsächlich auf dem Schlachtfeld con Culloden gefumdenem und konserviertem Stück Tartanstoff.

    Mit freundlichen Grüssen
    Hans Peter Kraft
    Ex Piper
  • Julia Stüber
    vor 6 Tagen
    Lieber Herr Kraft,

    vielen Dank für Ihren informativen und persönlichen Kommentar! Ihre Ergänzungen zur Geschichte der Highland-Regimenter und den Militär-Kilts sind wirklich spannend und bereichern unseren Beitrag sehr. Besonders Ihre eigenen Erfahrungen als Piper und Kilt-Träger machen Ihren Kommentar einzigartig - und wie schade mit Ihrem Kilt. ;-)

    Wir freuen uns, dass Sie Ihr Wissen mit uns teilen und hoffen, Sie weiterhin als Leser begrüßen zu dürfen!

    Herzliche Grüße
    Julia Stüber
    Team Online

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