Telefon

Unseren Service erreichen Sie
täglich von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr unter
02225 8808 100

Eine schöne englische Landschaft
BLOG
Die feine englische Art

Englands berühmte Pfarrhäuser

Englands berühmte Pfarrhäuser

Bilder von alten Gebäuden neben Kirchen und Friedhöfen mit schiefen Grabsteinen fallen vielen von uns sofort ein, wenn wir an berühmte Pfarrhäuser in England denken. Wir verbinden mit den meist historischen Gebäuden bekannte Persönlichkeiten, insbesondere Schriftstellerinnen und Schriftsteller, denn einige Pfarrhäuser sind untrennbar mit der Literaturgeschichte des Landes verwoben, und in manchen soll es sogar spuken. Ein zarter Zauber geht von ihnen aus, etwas, das man nicht greifen kann, und sollten Sie eines der folgenden Pfarrhäuser besuchen, könnte es sein, dass Sie ein ganzes Gefühls-Potpourri durchleben – von romantischen Empfindungen bis zu gruseligen Schauern, von Verzückung über Interesse und Neugierde bis hin zu blankem Entsetzen. 

Haworth Parsonage in West Yorkshire

Bei diesem Pfarrhaus handelt es sich um das wohl berühmteste der Literaturgeschichte, denn hier wuchsen Charlotte, Emily und Anne Brontë Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Das dunkle Gebäude mit den symmetrisch angeordneten Fenstern grenzt direkt an den Friedhof, der ein bisschen so wirkt, als sei er über die Jahrzehnte vergessen worden.  Die hygienischen Zustände der damaligen Zeit werden als katastrophal beschrieben, die Qualität des Wassers war denkbar schlecht und viele Bewohnerinnen und Bewohner von Haworth starben bereits in jungen Jahren. Zudem kroch der Gestank, der insbesondere in den Sommermonaten aus den Gräbern drang, bis ins Haus und soll an manchen Tagen fast unerträglich gewesen sein. Aber das Aufwachsen im Pfarrhaus hatte auch seine guten Seiten, denn Patrick Brontë war sehr an der Bildung seiner Kinder interessiert, und sie hatten uneingeschränkten Zugang zur Bibliothek des Hauses. Das führte dazu, dass die Brontës sehr belesen waren, was natürlich auch Einfluss auf ihre späteren Werke hatte. 

Als die Mutter jung an Krebs starb, zog ihre Schwester Elizabeth ins Pfarrhaus, um den Vater bei der Erziehung der Kinder zu unterstützen – doch auch sie erlag nur vier Jahre später einer Krankheit. Das Schicksal sollte die Familie weiter verfolgen: Die beiden ältesten Kinder starben kurz hintereinander im Jahr 1825, gerade mal elf und zehn Jahre alt.

1846 veröffentlichten Charlotte, Emily und Anne unter männlichen Pseudonymen Gedichte, bevor einige Zeit später ihre heute weltberühmten Romane folgten: Jane Eyre von Charlotte, Wuthering Heights von Emily und Agnes Grey von Anne – alle drei im Jahr 1847. Ihr Bruder Branwell war ebenfalls künstlerisch begabt, jedoch dem Alkohol und dem Opium verfallen; er starb mit nur 31 Jahren. Emily und Anne folgten ihm bald darauf. Charlotte heiratete 1854 in der Kirche von Haworth Arthur Bell Nicholls, doch auch ihr war kein langes Leben vergönnt – sie starb ein Jahr später im Anfangsstadium ihrer ersten Schwangerschaft. Patrick überlebte als einsamer Vater alle seine Kinder. Sein Schwiegersohn zog zu ihm und leistete ihm Gesellschaft.

Heute ist das Haus ein Museum und viele interessierte Menschen zieht es jedes Jahr nach Haworth, um in das damalige Leben der berühmten Brontë-Schwestern einzutauchen. 

The Old Parsonage in Farnborough, Berkshire

Dieses historische Gebäude muss an dieser Stelle unbedingt Erwähnung finden, denn es wurde von der Zeitschrift Country Life aufgrund seiner besonderen Architektur und der gepflegten Gärten zum schönsten Pfarrhaus in ganz England gekürt. Die Aussicht über die Berkshire Downs ist spektakulär. 

Der oft als exzentrisch beschriebene Dichter, Journalist und Schriftsteller Sir John Betjeman zog nach dem Krieg nach Farnborough. Das Haus liegt mitten im Garten, in dem es sogar einen Swimmingpool gibt. Der Tennisplatz wurde inzwischen in eine Boule-Bahn umgewandelt.

Am 19. Juli 2026 gibt es einen Tag der offenen Tür. 

The Old Rectory in Borley, Essex

Achtung, jetzt wird es schaurig, denn dieses im Jahr 1862 erbaute Pfarrhaus erlangte seine gruselige Berühmtheit, weil es als das am meisten von Geistern heimgesuchte Haus Englands galt. Von einer Nonne war die Rede, die auf dem Grundstück in Erscheinung trat, ein Geisterwagen soll von kopflosen Männern gefahren worden sein und man wollte Schritte und Klopfgeräusche gehört haben. 

In den 1930er-Jahren mietete sich der Parapsychologe Harry Price für ein Jahr dort ein und fertigte Aufzeichnungen über seine Beobachtungen und Erfahrungen an. Zwei Bestseller wurden später veröffentlicht, bei deren Inhalt jedoch darüber spekuliert wurde, ob Price nicht einige Anekdoten inszeniert oder übertrieben hatte. 

Im Jahr 1939 fiel das Gebäude einem Brand zum Opfer und musste 1944 schließlich endgültig abgerissen werden. 

Steventon Rectory in Hampshire

Hier wurde Jane Austen im Jahr 1775 geboren. Das originale Pfarrhaus existiert heute leider nicht mehr. Dennoch besuchen viele Fans der berühmten Schriftstellerin jedes Jahr diesen Ort. 

Es gäbe noch viele Beispiele von bekannten, schönen und auch unheimlichen Pfarrhäusern in England zu nennen. Sie faszinieren, weil sie Geschichte spürbar und erlebbar machen. Es sind nicht einfach nur hübsche, alte Häuser mit Flair. Hier wurde geheiratet, gestorben, getauft, geboren – gelebt, möglicherweise mehr als anderswo. Pfarrhäuser inspirieren auf ihre ganz eigene und besondere Art und Weise. Vielleicht haben sie deshalb so viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Dichterinnen und Dichter hervorgebracht, die entweder in einem Pfarrhaus geboren wurden, oder später ganz bewusst in eins gezogen sind. 

Haben Sie schon einmal ein Pfarrhaus in England besucht?

Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Redaktion sich die Entscheidung vorbehält, ob und wann Ihr Leserbrief an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Ihre E-Mail Adresse, den Vornamen und Ihren Namen benötigen wir zur Direktkommunikation zu Ihrer Veröffentlichung, etwa um Missbrauch und Fälle von Rechtsverletzungen unterbinden zu können. Ihre Daten werden ausschließlich in Zusammenhang mit dieser Kommentarfunktion genutzt und zu diesem Zweck in elektronischer Form gespeichert. Eine Weitergabe Ihrer Daten oder Teile davon erfolgt ausdrücklich nicht. Die entsprechende Datennutzung akzeptieren Sie mit dem Ausfüllen und Absenden dieses Formulars. Weitere Informationen zum Schutz Ihrer persönlichen Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte füllen Sie das Formular aus (alle Felder müssen ausgefüllt sein).

Leserbriefe (0)

Keine Leserbriefe gefunden!

Neuen Leserbrief schreiben

Mehr aus der Rubrik "Kultur-Kompass"

Englands berühmte Pfarrhäuser

Kultur-Kompass | von Susanne Arnold

Bilder von alten Gebäuden neben Kirchen und Friedhöfen mit schiefen Grabsteinen fallen vielen von uns sofort ein, wenn wir an berühmte Pfarrhäuser in…

Weiterlesen
Zwischen Hausboot und Brexit: Annette Dittert über ihre Liebe zu Großbritannien

Kultur-Kompass | von Julia Stüber

Als langjährige ARD-Auslandskorrespondentin hat Annette Dittert die Welt bereist und dabei nicht nur als Journalistin, sondern auch als Autorin und…

Weiterlesen
Ricky Gervais wird 65 – Britain’s Blackest Humour

Kultur-Kompass | von Judith Heede

Kaum ein britischer Komiker ist so polarisierend wie Ricky Gervais. Für manche ist er respektlos, arrogant und provokativ. Für andere ist er einer der…

Weiterlesen
Alison Moyet – Die Frau mit starker Stimme und Persönlichkeit wird 65

Kultur-Kompass | von Heike Fries

Geneviève Alison Jane Moyet kam am 18. Juni 1961 als Tochter eines französischen Vaters und einer englischen Mutter in Basildon, Essex, zur Welt.…

Weiterlesen