Die meisten Menschen kennen Shakespeare oder haben zumindest schon mal etwas von ihm gehört. Romeo und Julia sind der Welt als unglückliches Liebespaar ein Begriff und auch Hamlet, Macbeth und Othello rauschen seit Jahrzehnten durch diverse Klassenzimmer. Selbst wenn nicht jede und jeder die jeweiligen Inhalte im Detail wiedergeben kann, so ist das Zitat „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ („To be, or not to be, that is the question“) zu einem geflügelten Ausspruch geworden. Insgesamt hat Shakespeare uns um die 38 Theaterstücke hinterlassen, von Tragödien über Komödien und Geschichtsdramen bis hin zu Romanzen. Aber was ist denn nun die Royal Shakespeare Company?
Gründung
Einst gab es in Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort William Shakespeares, das ShakespeareMemorial Theatre. Es wurde saisonal und in einer sehr traditionellen Art und Weise bespielt. Jedes Frühjahr kam ein neues Ensemble zusammen und spielte den Sommer über Shakespeare-Stücke.
Der damals noch recht junge Regisseur Peter Hall – er war gerade 30 Jahre alt, hatte jedoch bereits sechs Jahre zuvor erfolgreich die Regie bei der englischsprachigen Erstaufführung von Samuel Becketts Waiting for Godot geführt – wollte das Konzept des Theaters entstauben. Im Jahr 1961 gründete er deshalb die Royal Shakespeare Company (RSC). Wichtigster Aspekt dabei: Hall wünschte sich ein festes Ensemble, das nicht nur im Sommer, sondern das ganze Jahr über auftreten sollte.
Nun war es so, dass Shakespeare in den 1950er-Jahren nicht besonders populär war. Das gesamte Konzept musste grundlegend modernisiert werden, wenn die Stücke noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken sollten. Denn die bisherigen Shakespeare-Aufführungen galten zu dieser Zeit als altmodisch und nicht mehr zeitgemäß und nur die wenigsten hatten Lust, sich eine solche Aufführung anzusehen. Hall beschloss, die Gegenwart mit einfließen zu lassen und auch politischen Themen Raum zu geben.
Im zweiten Schritt erweiterte er das Repertoire. Gab es früher ausschließlich Shakespeare zu sehen, so bot der experimentierfreudige Hall nun auch den Uraufführungen moderner Theaterstücke eine Bühne. Aber man war immer noch in Stratford. Um künstlerisch nicht abgehängt zu werden und auch die Londoner Theaterszene zu erreichen, mussten zusätzliche Auftritte in der Hauptstadt her. Dies gelang mit Verträgen, die es den Schauspielern ermöglichten, zunächst im Londoner Aldwych Theatre aufzutreten. Später folgte zusätzlich das Barbican Centre.
Die Finanzierung von Neuinszenierungen war natürlich mit erheblichen Risiken verbunden. Hall gab der traditionsreichen Institution eine neue Ausrichtung: 1961 wurde aus dem Shakespeare Memorial Theatre die Royal Shakespeare Company. Das Theatergebäude erhielt zugleich den Namen Royal Shakespeare Theatre. Die bereits 1925 verliehene Royal Charter blieb bestehen. Ab 1963 wurde die RSC erstmals durch den Arts Council finanziell unterstützt.
Das Swan Theatre
Zum Stratford-upon-Avon-Komplex der Royal Shakespeare Company gehört neben dem Royal Shakespeare Theatre auch das Swan Theatre. Es wurde 1986 eröffnet und in der erhalten gebliebenen Hülle des ursprünglichen Shakespeare Memorial Theatre eingerichtet, das 1926 durch einen Brand zerstört worden war. Im Gegensatz zum großen Hauptsaal des Royal Shakespeare Theatre ist das Swan Theatre kleiner und intimer. Seine beinahe runde Bühnenanordnung erinnert an historische Theaterformen der elisabethanischen Zeit und schafft eine besondere Nähe zwischen Schauspielenden und Publikum. Die offizielle Eröffnung fand am 13. November 1986 im Beisein von Queen Elizabeth II. statt.
Viele bekannte Schauspieler legten bei der RSC den Grundstein für ihre Karriere. Bis heute veranstaltet die RSC Workshops an Schulen und setzt sich stark für Theaterpädagogik ein.
Sir Peter Hall leitete die Royal Shakespeare Company bis 1968 und wurde 1977 von Queen Elizabeth II. geadelt. Er starb 2017 und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Theater-, Film- und Opernregisseure des 20. Jahrhunderts. Er war ein Pionier des modernen Theaters und kämpfte sein Leben lang für öffentliche Finanzierungen von Kunst und Kultur.
Assoziierte Künstlerinnen und Künstler
Eines der bekanntesten Mitglieder der Royal Shakespeare Company ist David Suchet. Die Institution war eine wichtige Grundlage für die spätere Karriere des als Hercule Poirot bekannten Schauspielers. Heute wird David Suchet neben anderen großen Namen als assoziierter Künstler geführt – ein Titel, der an besonders kreative Menschen vergeben wird, die fortan einige Freiheiten genießen und in einer partnerschaftlichen Verbindung zur RSC stehen.
Assoziierte Künstler wirken in hochkarätigen Stücken mit und sind an der künstlerischen Gestaltung beteiligt. Dabei genießen sie die Freiheit, auch an anderen Theatern zu spielen oder an Produktionen für Film und Fernsehen mitzuwirken. Die RSC profitiert von der Expertise dieser ausgewählten Künstler.
Klingt insgesamt nach einer ziemlich guten Idee, die Sir Peter Hall einst in die Tat umsetzte, finden Sie nicht auch? Welches Stück werden Sie sich als Nächstes ansehen?


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