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Von Staycation bis Coolcation: Wie viele Urlaube braucht der Mensch?

Cotswold-Schafe in Gloucestershire

Früher fuhr man schlicht in den Urlaub. Heute macht man eine Staycation, flüchtet vor der Hitze auf eine Coolcation, nimmt den Laptop mit auf eine Workation oder reist auf eine Sleepcation, um endlich einmal acht Stunden durchzuschlafen. Die englische Sprache hat aus dem guten alten „vacation“ inzwischen eine erstaunlich große Wortfamilie gezüchtet. Und hinter den etwas bemühten Namen stecken tatsächlich einige interessante Reisetrends.

Staycation: Urlaub ohne Reisepass

Die Mutter aller modernen „-cations“ ist die Staycation, zusammengesetzt aus „stay“ und „vacation“. Ganz neu ist das Wort nicht: Belegt ist es bereits seit den 1940er-Jahren, richtig populär wurde es jedoch erst sehr viel später. Gemeint ist Urlaub zu Hause bzw. auf Balkonien oder in der näheren Umgebung; im britischen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig auch für Ferien im eigenen Land verwendet.

Für Briten ist das keine schlechte Ausgangslage. Cornwall statt Costa del Sol, die Cotswolds statt Côte d’Azur und Schottland statt der Schweiz – wobei Letzteres zumindest beim Wetter keine falschen Erwartungen weckt.

Coolcation: Ab in den Norden

Jahrzehntelang folgte der europäische Sommerurlaub einer einfachen Himmelsrichtung: Süden. Bei einer Coolcation geht es dagegen bewusst in eine Region mit kühlerem Klima – inzwischen führt selbst das Collins English Dictionary den Begriff.

Statt bei 38 Grad durch Rom zu laufen, geht es nach Shetland, Norwegen, Island oder an die nordirische Antrimküste. Großbritannien hat damit plötzlich einen touristischen Wettbewerbsvorteil, den vermutlich niemand im Fremdenverkehrsamt so geplant hatte: das Wetter. Regenjacke statt Sonnenschirm kann im August durchaus Luxus sein.

Workation: Büro mit Meerblick

Bei der Workation werden „work“ und „vacation“ miteinander verheiratet – zwei Dinge, die jahrzehntelang aus gutem Grund getrennte Schlafzimmer hatten. Den großen Schub bekam das Modell während der Corona-Pandemie: Millionen Menschen arbeiteten plötzlich von zu Hause, Meetings wanderten zu Zoom und Teams und für manche stellte sich irgendwann die naheliegende Frage, warum „zu Hause“ eigentlich Berlin oder Birmingham sein musste und nicht Bali.

Die Digitalnomaden waren zwar schon vorher unterwegs, doch mit dem Boom der Remote Work wurde aus der Randerscheinung ein internationaler Reisetrend. Seit 2020 führen immer mehr Länder spezielle Digital-Nomad-Visa ein, mit denen ausländische Angestellte oder Selbstständige für längere Zeit im Land leben und weiterhin für Arbeitgeber oder Kunden im Ausland arbeiten können. Laptop auf, WLAN an, nach Feierabend Strand – zumindest in der Instagram-Version.

Auch Großbritannien eignet sich natürlich hervorragend für eine Workation: ein Cottage in Cornwall, ein Apartment in Edinburgh oder ein paar Wochen mit Blick auf die Hebriden. Ein eigenes Digital-Nomad-Visum gibt es im Vereinigten Königreich allerdings nicht. Besucher dürfen zwar in begrenztem Umfang für ihren ausländischen Job remote arbeiten, solange dies nicht der Hauptzweck der Reise ist; wer langfristig im Land leben und arbeiten möchte, braucht dafür den entsprechenden Aufenthaltsstatus. Aber mit klassischem Urlaub hat die Workation ohnehin nur bedingt zu tun: Vormittags sitzt man im Zoom-Meeting, nachmittags geht es an den Strand. Immerhin lässt sich der Satz „Ich muss noch kurz arbeiten“ mit Blick auf die Highlands erheblich besser ertragen.

Sleepcation: Bitte nicht stören

Noch konsequenter ist die Sleepcation. Hier reist man nicht in erster Linie zum Sightseeing, sondern zum Schäfchenzählen. Der Begriff gehört zum größeren Trend des sogenannten Sleep Tourism: Hotels bieten Aufenthalte an, bei denen guter Schlaf mit besonders ruhigen Zimmern, Verdunkelung, ausgewählten Matratzen und Kissen oder speziellen Schlaf- und Wellnessprogrammen zum eigentlichen Reiseerlebnis wird.

Dass Menschen mittlerweile Geld bezahlen, um in einem fremden Bett endlich ausreichend zu schlafen, sagt vermutlich einiges über den Alltag des 21. Jahrhunderts aus. Stress und Schlafprobleme gehören für viele längst zum Alltag – und wer monatelang im Dauerbetrieb läuft, kommt in den klassischen zwei Urlaubswochen oft kaum zur Ruhe, bevor die Rückreise schon wieder ansteht. Die Sleepcation macht daraus kurzerhand den eigentlichen Zweck der Reise: ausschlafen, abschalten und möglichst wenig müssen. Dafür braucht man weder Reiseführer noch Wanderschuhe. Ein gutes „Do not disturb“-Schild reicht fürs Erste.

Calmcation: Heute habe ich nichts vor

Verwandt mit der Sleepcation ist die Calmcation, zusammengesetzt aus calm und vacation: Urlaub mit so wenig Programm wie möglich. Natur, Ruhe, Digital Detox, Spaziergänge oder Wellness treten an die Stelle des Sightseeing-Marathons.

Dazu passt ein weiterer Reisetrend: JOMO, die Joy of Missing Out – gewissermaßen die entspannte Antwort auf FOMO, die Fear of Missing Out, also die Angst, etwas zu verpassen, die vor allem mit dem Aufstieg der sozialen Medien zum geflügelten Begriff wurde. Statt möglichst viel zu erleben und anschließend möglichst viel davon zu posten, darf man bei JOMO ganz bewusst etwas verpassen. Für seinen Reisetrendreport 2025 ließ Expedia Group 25.000 Menschen in 19 Ländern befragen. 58 Prozent der befragten britischen Reisenden gaben an, dass Aufenthalte etwa in ruhigen Ferienhäusern oder abgelegenen Lodges Stress und Ängste reduzieren. Besonders gefragt waren unter anderem ruhige Gärten, Pools, Hot Tubs und Veranden mit Aussicht.

Mit anderen Worten: Man fährt irgendwohin, um dort möglichst wenig zu unternehmen – und darf sich erstmals offiziell gut dabei fühlen.

Daycation: Urlaub bis zum Abendessen

Wem selbst dafür die Zeit fehlt, bleibt noch die Daycation. Der Begriff ist seit 1985–90 belegt und bezeichnet einen Tagesausflug beziehungsweise einen Urlaub von nur einem Tag. Hotels und Resorts bieten dafür beispielsweise Tageszugänge zum Pool, zum Spa oder zum Strand an, ohne dass anschließend dort übernachtet werden muss.

Und damit dürfte die sprachliche Entwicklung noch lange nicht beendet sein. Solange sich ein englisches Wort halbwegs überzeugend vor die „-cation“ kleben lässt, findet sich vermutlich auch jemand, der daraus einen Reisetrend macht. Für Traditionalisten bleibt eine letzte Möglichkeit: einfach Urlaub machen.

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