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Die bekanntesten Pferderassen von den britischen Inseln

Die bekanntesten Pferderassen von den britischen Inseln

Vom kaum einen Meter hohen Shetlandpony bis zum tonnenschweren Shire Horse haben die britischen Inseln eine erstaunliche Vielfalt an Pferderassen hervorgebracht. Manche trugen Blei durch die Pennines, andere zogen Pflüge auf den Feldern, Bierwagen durch die Straßen oder die Wagen der Traveller von County zu County. Für die Rennbahnen des englischen Adels wurden dagegen Pferde auf Geschwindigkeit gezüchtet. Heute findet man ihre Nachfahren in Ascot, auf Vielseitigkeitsplätzen und noch immer halbwild in den britischen Moorlandschaften. Wir stellen hier die bekanntesten Rassen der britischen Inseln vor.

Das Englische Vollblut: Für Geschwindigkeit gezüchtet

Keine britische Pferderasse hat die internationale Pferdezucht so nachhaltig verändert wie das Englische Vollblut. Seine Geschichte begann an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, als englische Rennstuten mit importierten orientalischen Hengsten gekreuzt wurden. Besonders der Araber, eine der ältesten gezielt gezüchteten Pferderassen der Welt, war für seine Ausdauer, Intelligenz, Härte und sein feuriges Temperament ebenso berühmt wie für seinen eleganten Körperbau. Genau diese Mischung aus Leistungswillen, Schnelligkeit und Durchhaltevermögen wollten die englischen Züchter für ihre Rennpferde nutzen.

Drei Hengste wurden schließlich zu den berühmtesten Stammvätern des Englischen Vollbluts: Byerley Turk, Darley Arabian und Godolphin Arabian. Der Darley Arabian stammte vermutlich aus der Region um Aleppo im heutigen Syrien. Bei allen drei Hengsten sind Herkunft und genaue rassische Einordnung teilweise umstritten; der Godolphin Arabian wird beispielsweise auch als Godolphin Barb bezeichnet. Fast jedes heute registrierte Englische Vollblut lässt sich in seiner männlichen Linie auf einen dieser drei Hengste zurückführen. 1791 erschien der erste Band des General Stud Book, der zum Fundament der systematischen Vollblutzucht wurde.

Alles an diesem Pferd verrät seine ursprüngliche Aufgabe. Lange Beine, ein tiefer Brustkorb, schräge Schultern und eine kräftige Hinterhand ermöglichen einen raumgreifenden Galopp; Vollblüter können auf der Rennbahn Geschwindigkeiten von mehr als 60 Kilometern pro Stunde erreichen. Gleichzeitig gelten sie als sensibel, reaktionsschnell und leistungsbereit – Eigenschaften, die auf der Rennbahn erwünscht sind und nach der Rennkarriere manchmal etwas Fingerspitzengefühl erfordern.

Der Einfluss des Thoroughbred reicht allerdings weit über die Pferderennbahnen Newmarket, Ascot und Epsom hinaus. Vollblüter wurden über Generationen hinweg eingesetzt, um Reit- und Sportpferderassen leichter, schneller und ausdauernder zu machen. Ihre Gene finden sich heute in zahlreichen europäischen Warmblutrassen, besonders deutlich im Irish Sport Horse. Und natürlich ist das Rennpferd bis heute ein Stück britischer Kultur: Royal Ascot, die Epsom Derby Stakes und die Rennbahn von Newmarket wären ohne das Englische Vollblut kaum denkbar.

Shire Horse: Das britische Bierpferd

Wenn das Vollblut für Geschwindigkeit steht, verkörpert das Shire Horse schiere Kraft. Mit häufig mehr als 1,70 Metern Stockmaß bei ausgewachsenen Hengsten und einem Gewicht, das bei großen Exemplaren die Marke von einer Tonne überschreiten kann, gehört es zu den größten Pferderassen der Welt. Seine Entwicklung wird meist auf die mittelalterlichen englischen Great Horses und auf spätere schwere Arbeitspferde zurückgeführt. Aus dem einstigen Kriegs- und Zugpferd wurde mit der Zeit ein unverzichtbarer Mitarbeiter der Landwirtschaft und des Transportwesens.

Shires pflügten schwere Böden, zogen Lastkähne entlang der Kanäle und transportierten Waren durch englische Städte. Besonders berühmt wurden sie vor den schweren Wagen der Brauereien – daher auch der bei uns gebräuchliche Begriff „Bierpferd“. Bevor Lastwagen ihre Arbeit übernahmen, gehörten Pferdegespanne zum täglichen Straßenbild, wenn Fässer von der Brauerei zu Pubs und Gasthäusern gebracht wurden. Einige britische Brauereien pflegen die Tradition der dray horses bis heute bei Veranstaltungen und repräsentativen Fahrten.

Auch in Deutschland lebt die Verbindung von Bier und Pferdestärken weiter. Beim traditionellen Einzug der Wiesnwirte zum Münchner Oktoberfest fahren die Brauereien mit festlich geschmückten Pferdegespannen auf die Theresienwiese. Dort kommen verschiedene schwere Zugpferderassen zum Einsatz – ein Anblick, der sofort zeigt, weshalb Pferde wie das Shire jahrhundertelang für schwere Transporte unersetzlich waren. Sein mächtiger Körper, die großen Hufe und der üppige Fesselbehang machen es bis heute zu einem der eindrucksvollsten britischen Pferde überhaupt.

Klein, aber oho: Die britischen Ponys

Nicht weniger typisch für die Inseln sind die dort heimischen Ponys. Viele gehören zu den sogenannten Mountain and Moorland Breeds und entwickelten sich in Gegenden, in denen Pferde mit Wind, Regen, kargen Weiden und schwierigem Gelände zurechtkommen mussten. Klein bedeutete dabei keineswegs schwach: Diese Ponys mussten Lasten tragen, Wege bewältigen und auf kargen Weiden auskommen.

Das Exmoor Pony gehört zu den ältesten britischen Rassen. Bereits im Domesday Book von 1086 werden Ponys auf Exmoor erwähnt. Typisch sind die hellen Partien um Augen und Maul, der kompakte Körper und ein dichtes Winterfell, das Regen erstaunlich gut abhält. Fell und Dales Ponies stammen wiederum aus dem Norden Englands und wurden unter anderem als Packpferde eingesetzt. Über die Pennines transportierten vor allem die Dales schwere Ladungen wie Blei auf Wegen, auf denen ein Wagen kaum eine Chance gehabt hätte. Trittsicherheit, Kraft und Ausdauer sind ihnen bis heute geblieben.

Noch berühmter ist das Shetland Pony. Auf den windumtosten Shetlandinseln entstand ein Pony mit einem Stockmaß von maximal rund 107 Zentimetern, das im Verhältnis zu seiner Größe erstaunliche Kräfte entwickeln kann. Im 19. Jahrhundert wurden Shetlands in großer Zahl zu Grubenponys. Nach dem Mines and Collieries Act von 1842, der Frauen und Mädchen die Arbeit unter Tage verbot und die Beschäftigung junger Jungen begrenzte, zogen die kleinen Pferde Kohlewagen durch die engen Stollen britischer Bergwerke. Heute begegnet man ihnen eher als Kinder- und Fahrponys – samt des Selbstbewusstseins, für das Shetlands mindestens ebenso berühmt sind wie für ihre geringe Größe.

Besonders vielfältig ist die britische Ponywelt in Wales. Das Zuchtbuch der Welsh Pony and Cob Society kennt gleich vier Sektionen: vom Welsh Mountain Pony der Section A mit einem Stockmaß von höchstens 122 Zentimetern über das elegantere Welsh Pony der Section B und das kräftigere Welsh Pony of Cob Type der Section C bis zum Welsh Cob der Section D. Letzterer besitzt keine obere Größenbegrenzung und wurde traditionell als vielseitiges Reit-, Fahr- und Arbeitspferd gehalten. Sein kraftvoller, energischer Trab gehört bis heute zu seinen Markenzeichen.

Eine Sonderstellung nimmt der Traditional Cob ein, den man auch als Gypsy Cob oder Irish Cob kennt. Mit seinem kräftigen Körper, der üppigen Mähne, dem dichten Fesselbehang und dem häufig gescheckten Fell ist er kaum zu übersehen. Seine moderne Verbreitung ist eng mit verschiedenen Traveller-Gemeinschaften verbunden, die robuste und genügsame Pferde für ihre traditionellen Fuhrwerke benötigten. „Cob“ bezeichnet in Großbritannien übrigens nicht zwingend eine Rasse, sondern auch einen kompakten, kräftigen Pferdetyp – weshalb Traditional Cob und Welsh Cob trotz ihres Namens keineswegs dasselbe sind.

Connemara und Irish Draught: Irlands Pferde

Auch Irland hat Pferderassen hervorgebracht, deren ursprüngliche Arbeitstauglichkeit heute im Sport ausgesprochen gefragt ist. Das Connemara Pony stammt aus der gleichnamigen Region an der rauen Atlantikküste im Westen Irlands. Auf kleinen Höfen musste es wenig anspruchsvoll, trittsicher und vielseitig sein. Heute ist es eines der international bekanntesten und vielseitigsten Sportponys Europas. Besonders sein Springvermögen hat dem Connemara weit über Irland hinaus einen hervorragenden Ruf eingebracht.

Das Irish Draught war dagegen das klassische Allroundpferd irischer Bauern. Es zog den Pflug und den Wagen, trug seinen Besitzer zur Jagd oder zum Markt und musste dabei kräftig genug für die Arbeit, aber beweglich genug zum Reiten sein. Genau diese Mischung machte die Rasse später für die Sportpferdezucht so interessant.

In Verbindung mit dem Englischen Vollblut entstand daraus der traditionelle Typ des Irish Sport Horse: Die Knochenstärke, Robustheit und das Temperament des Irish Draught trafen auf die Geschwindigkeit, Ausdauer und das Galoppiervermögen des Thoroughbred. Besonders in der Vielseitigkeit wurde diese Kombination international berühmt; die irische Sportpferdezucht gehört bis heute zu den erfolgreichsten der Welt.

Von den Inseln in die Welt

Weltweit gibt es heute mehr als 400 Pferderassen – wie viele genau, hängt davon ab, welche Zuchtbücher und regionalen Populationen mitgezählt werden. Gemessen an ihrer Größe haben die britischen Inseln dazu einen erstaunlich großen Beitrag geleistet. Allein Großbritannien und Irland haben eine ganze Reihe von Rassen hervorgebracht, die heute weit über ihre Heimat hinaus gezüchtet werden und den internationalen Renn-, Reit- und Pferdesport geprägt haben.

Und manchmal schließen sich dabei sehr persönliche Kreise: Meine eigene Stute Riana ist ein schwarzer Vollblutaraber – also ausgerechnet eine der alten Pferderassen, deren Blut einst die englische Vollblutzucht entscheidend mitprägte. Geboren und aufgewachsen ist sie allerdings in Schottland und lebt heute mit mir in Nordirland. Britischer kann ein Araber vermutlich kaum werden.

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