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Tierwelt trifft Baukunst: Architektur im Londoner Zoo

Tierwelt trifft Baukunst: Architektur im Londoner Zoo

Im Londoner Zoo gibt es nicht nur eine Vielzahl von spannenden Tieren zu entdecken, sondern auch eine ganze Reihe von bedeutenden Beispielen aus den Architekturströmungen der letzten zwei Jahrhunderte. Als einer der ältesten wissenschaftlichen Zoos der Welt wurde er 1828 von der Zoological Society of London gegründet und sollte Studierenden die Möglichkeit geben, exotische Tiere aus der Nähe zu beobachten.

Ein malerischer und denkmalgeschützter Tunnel 

Doch allein von den angehenden Biologen und zukünftigen Forschern konnte der Londoner Zoo nicht leben. Um den Betrieb dieser wissenschaftlich Anlage zu finanzieren, setzte die Leitung des Zoos 1847 auf Eintrittstickets. Nun kam auch die Öffentlichkeit in den Genuss, die aus aller Welt eingeführten Tiere zu bestaunen. Ein neuer Zeitvertreib war entstanden – und lockte scharenweise die Menschen des viktorianischen Zeitalters an die frische Luft. Zeitgleich konnte der Londoner Zoo seine Pionierarbeit zeigen: eine ganze Reihe öffentlicher Aquarien, Reptilien- und Insektenhäuser – eine absolute Weltneuheit damals. Ein durchgehend beliebtes Fotomotiv ist der „Osttunnel“, ein Fußgängertunnel, der 1829 vom englischen Landschaftsarchitekten Decimus Burton (1800–1881) entworfen wurde – kurz nach der Eröffnung des Zoos. Er verbindet noch heute den Nord- und Südteil des Zoos und führt unter der äußeren Ringstraße des Regent’s Park hindurch. Der Südeingang ist im klassischen Stil gestaltet.  

Schützenswert und doch ungeeignet 

Neben den historischen Bauwerken gibt es auch Beispiele moderner Architektur, die heute nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck dienen. Viele der bekanntesten Gebäude, darunter zwei denkmalgeschützte Bauten von Berthold Lubetkin, dem russisch-britischen Architekten (1901–1990) und einem Förderer der „modernen Architektur“, gelten heute als ungeeignet für die Tierhaltung. So ist sein Pinguinbecken längst nicht mehr von den Tieren bewohnt, da die rauen Betonoberflächen möglicherweise zu einer Infektion an den Fußballen geführt haben. Längst sorgt die Philosophie moderner Zoogehege dafür, dass den Tieren Rückzugsmöglichkeiten gegeben werden, damit sie sich vor Besucherlärm schützen können. Nun erfreut die 1934 erbaute Betonrampe das Auge von Liebhabern moderner Bauten. Laut einem Zitat in der „Illustrated London News“ von 1934 darf sich der Besucher oder die Besucherin die „reine Form des Beckens in der äußerst malerischen Ecke des Parks“ nicht entgehen lassen.  

Ein elegantes Haus für die Giraffen 

Der Architekt Decimus Burton, der unter anderem für die Gestaltung des Palmenhauses in „Kew Gardens“ bekannt ist, entwarf auch weitere der ursprünglichen Gebäude des Londoner Zoos, von denen einige bis heute erhalten sind. Sein elegantes Giraffenhaus, das 1836 eröffnet wurde, ist das älteste Gebäude des Zoos, in dem noch immer die Tierart lebt, für die es entworfen wurde. Seine fünf Meter hohen Türen sind ein beliebtes Motiv für Fotos. Das Innere wurde jedoch modernisiert, um den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden. Zu diesem geschützten Gebäude gibt es eine rührende kleine Anekdote: Es heißt, ein Giraffenpfleger, der 1979 starb, sei seinen Tieren so sehr zugetan gewesen, dass seine Asche in der Nähe des Giraffenhauses verstreut wurde.  

Erste begehbare Volière der Welt 

Eine Kuriosität bildet sicherlich die „Snowdon-Volière“, entworfen von und benannt nach Lord Snowdon (1930–2017). Sie wurde 1962 erbaut und war damals die erste begehbare Volière der Welt. Sie ist so konstruiert, dass sie schwerelos wie ein Vogel wirkt. Ein riesiges Netz umhüllt das Gerüst aus Stangen. Heute leben Vögel wie Pfauen und weiße Ibisse in der Volière. Die Ausstellung „Giants of the Galapagos“ mit den Riesenschildkröten wurde 2009 anlässlich des 200. Geburtstags von Charles Darwin eröffnet und beherbergt drei weibliche Galapagos-Riesenschildkröten namens „Dolly“, „Polly“ und „Priscilla“.

Eine zeitlose Pandazeichnung 

Ob Naturforscher, Architekten oder Namenserfinder: Der Londoner Zoo scheint allgemein eine Quelle der Inspiration zu sein. Der Riesenpanda „Chi Chi“ bildet den Abschluss unserer Entdeckungsreise durch die tierische Architektur des Londoner Zoos. Obwohl der Riesenpanda Anfang der 1960er-Jahre eigentlich für einen amerikanischen Zoo bestimmt war, landete er nach einigen diplomatischen Verhandlungen im Londoner Zoo. Er wurde sofort zur Hauptattraktion der Londoner und zog auch den britischen Naturschützer und Maler Sir Peter Scott (1909–1989) in den Bann. Im gleichen Jahr entstand durch sein zunächst mit Bleistift gezeichnetes Profil das Symbol des WWF, das noch heute für den weltweiten Artenschutz steht.  

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