Die feine englische Art

Ein Tag für Roald Dahl


Roald Dahl 1954

Es ist ja schon ungerecht. Manche von uns quälen sich bereits mit dem Formulieren von Geschäfts-E-Mails, von früheren Schulaufsätzen ganz zu schweigen. Und anderen fließen die Geschichten nur so aus der Feder, sie erschaffen ganze Fantasiewelten, bevölkert von skurrilen Wesen, farbiger Szenerie, Abenteuern, unglaublichen Wendungen … zu diesen Menschen gehörte Roald Dahl, einer der bekanntesten britischen Schriftsteller. Am 13. September – seinem 102. Geburtstag – ist wie jedes Jahr offizieller „Roald-Dahl-Day“. Der wird vor allem in Schulen mit Projekten und Geschichten gefeiert, aber diesmal wohl nicht im „Roald Dahl Museum and Story Centre“ in Great Missenden, dem früheren Wohnort des Dichters in Buckinghamshire. Denn leider hat das Museum derzeit einen Wasserschaden und musste vorübergehend schließen. 

Roald Dahls Vorname ist vom Polarforscher Roald Amundsen inspiriert, was nicht verwundert, denn beide Eltern waren norwegischer Abstammung. Geboren wurde der künftige Autor aber in Wales. Es zog ihn in jungen Jahren ins Ausland, auch nach Afrika. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Fast-Zwei-Meter-Mann Flieger, überlebte knapp eine Notlandung in der libyschen Wüste – Thema seiner ersten veröffentlichten Geschichte – und arbeitete auch für den britischen Geheimdienst. Nach dem Krieg ließ er sich in England nieder, gründete eine Familie und widmete sich hauptberuflich dem Schreiben.

Dahls Kinderbücher – von „James und der Riesenpfirsich“ über „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bis „Matilda“ – sind nichts für schwache Nerven. Seine kleinen sensiblen Helden haben oft mit gemeinen, ja sogar sadistischen Widersachern zu kämpfen, denen sie scheinbar wehrlos ausgeliefert sind. Scheinbar! Die Übeltäter sind meist Erwachsene, manchmal auch andere Kinder. Die Inspiration dazu fand Dahl in seiner Schulzeit. Damals wurde (nicht nur) in britischen Schulen oft geschlagen, und die älteren Schüler drangsalierten die jüngeren. In seinen Büchern triumphieren jedoch die Guten, sehr zur Überraschung der Fiesen. Nicht alle Kinder vertragen den feinen schwarzen Humor, den Dahl in seine Erzählungen hineinwebte – das gilt ebenso für die Verfilmungen. Übrigens hat er auch die „Gremlins“ erdichtet.

Die Erwachsenengeschichten glänzen ebenfalls mit Überraschungseffekten am Ende und oft sehr makabren und dunklen Themen, humorvoll erzählt. Das ist eine Kunst für sich. Man denke an eine Pensionswirtin, die ihre Gäste vergiftet und ausstopft, oder an eine unterdrückte Frau, die ihren Ehemann im Aufzug verdursten lässt …

Roald Dahl musste einige Schicksalsschläge hinnehmen, am schlimmsten traf ihn der frühe Tod seiner siebenjährigen Tochter Olivia nach einer Masern-Infektion. Seitdem engagierte Dahl sich für Impfkampagnen. Er selbst starb nach einem sehr kreativen und schaffensreichen Leben im Alter von 74 Jahren. Eine Wohltätigkeitsorganisation in seinem Namen finanziert Krankenschwestern für schwer kranke Kinder.


 

 

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