Die feine englische Art

Jelly – eine wackelige Angelegenheit


Dessert mit Wackelpuddingschicht

Desserts mit Wackelpuddingschicht

Ach, die gute alte Zeit, bevor wir anfingen, uns über E-Nummern und künstliche Zusätze Gedanken zu machen! Kein Kindergeburtstag kam ohne Wackelpudding aus, eine Delikatesse, die im Wesentlichen aus Gelatine, Zucker, Farbe und Aromastoffen (Waldmeister, ha! Ganz sicher frisch gepflückt …) besteht. Heute wird ja mehr auf Inhalte geachtet, und Gelatine ist auch nicht mehr der beste Freund der Hobbyköche. Allerdings gibt es Wackelpudding immer noch zu kaufen, fertig im Becher oder zum Selbstherstellen. Und Kinder lieben ihn nach wie vor, wenn er ihnen mal serviert wird.

In der englischen Küche, die nie ein Problem mit Farbenfreude hatte, war der „jelly“ Bestandteil vieler Desserts. Ein klassisches Trifle etwa, diese köstliche Schichtspeise, war ohne Wackelpudding eigentlich nicht machbar: unten Biskuit, in reichlich Sherry getränkt, dann „jelly“ in Rot oder auch Orange, darüber Vanillepudding und schließlich Sahne. Damit es noch ein bisschen bunter wird, gehörten Zuckerstreusel obendrauf. Heute liebt man es etwas feiner. Die Zutaten haben sich im Wesentlichen erhalten, auch der Sherry, aber statt der wackligen Angelegenheit wird heute eher frisches Obst oder Kompott auf dem Biskuit verteilt. Und obendrauf kommen geröstete Mandeln!

Auch die „Knickerbocker Glory“, ein Eisbecher mit Sahne, hat meist keine Wackelpuddingschicht mehr, sondern stattdessen Früchte. Dafür sind jetzt „jelly shots“ in Mode, Hochprozentiges in Geleeform, serviert in kleinen Gläschen. Oder auch Weingelee. Möchten Vegetarier oder Veganer mitessen, weichen die Gastgeber auf pflanzliche Geliermittel aus. Das Ergebnis ist weniger fest und auch kürzer haltbar, vom Geschmack her besteht eigentlich kein Unterschied.

Alles, was geliert, war ab dem 18. Jahrhundert in ganz Europa groß in Mode. Alte Illustrationen zeigen, wie kunstvoll Gelees (in Deutschland auch „Götterspeise“ genannt) damals präsentiert wurden – in aufwendigen Formen erstarrt, gestürzt, mit Früchten und Cremes verziert. Sie waren auch aufwendig zuzubereiten, da man das Geliermittel, aus Kalbs- oder Schweineknochen gewonnen, selbst herstellen musste. Ein erstes Patent wurde um 1750 in Großbritannien verliehen.

Das Wort „jelly“ steht aber auch für „Gelee“, also Marmelade bzw. Konfitüre ohne Fruchtstücke. Dazu braucht man keine Gelatine, das natürliche Pektin und Zucker sorgen für die richtige Konsistenz. Die Amerikaner lieben „jelly“, oft ist es Traubengelee, in Kombination mit Erdnussbutter. Wackelpudding dagegen heißt bei ihnen „jello“.


 

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