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Shrovetide Football

Balleinwurf beim Shrovetide Football in Ashbourne

Das jährliche Shrovetide Football im englischen Ashbourne beginnt mit dem Balleinwurf durch den "Turner-Up".

Das wildeste Fußballspiel Großbritanniens

Jedes Jahr an Shrove Tuesday (Fastnachtsdienstag) und Ash Wednesday (Aschermittwoch) findet in Ashbourne in Derbyshire ein unfassbares Spektakel statt. Schon in den Tagen zuvor ist eine Anspannung und Freude im ganzen Ort zu spüren. Denn am Dienstagnachmittag ab zwei Uhr beginnt das Shrovetide Football-Spiel.

Ein Dorf als Spielfeld für hunderte Teilnehmer

Wer jetzt an ein normales Fußballspiel denkt, irrt. Vielmehr bestehen die beiden Mannschaften aus unbegrenzt vielen wagemutigen Männern und Frauen aus Ashbourne und Umgebung – und dem ein oder anderen Touristen. Kurz gesagt, es stehen hunderte Spieler auf dem Spielfeld. Und das ist ebenfalls ungewöhnlich, denn die beiden Tore stehen drei Meilen, etwa 4,8 Kilometer, voneinander entfernt und als Spielfeld dient der Ort selbst. Das Ziel? Jede Mannschaft muss das eigene Tor erreichen. Wer die Menge sieht, die sich zu Beginn des Spiels auf dem Platz versammelt, ahnt, dass das kein leichtes Unterfangen wird.

Wer zu welcher Mannschaft gehört, ist von vorneherein klar: Alle, die nördlich des Flüsschens Henmore wohnen gehören zu den Up'ards. Alle aus dem südlichen Teil treten für die Down'ards an.

Gemeinschaftsgefühl und Chaos seit Generationen

Shrovetide Football ist ein Spiel für die Bewohner Ashbournes – oder zumindest für alle, die familiäre Verbindungen zum Ort haben oder dort geboren sind. Wer dem Ganzen als Tourist beiwohnen möchte, sollte darauf achten, nicht im Weg zu sein oder sich mit einem Team absprechen und aktiv teilnehmen. Die Gegner sind von vornherein klar und das ist überall zu spüren, denn eine gewisse Rivalität gehört zum Spektakel dazu. Doch keine Sorge, was wie erbitterte Feindschaft klingt, stärkt das Gemeinschaftsgefühl im Ort schon seit Generationen.

Das Spiel selbst kommt allerdings wenig harmonisch daher. Zunächst singen alle gemeinsam „Auld Lang Syne“ und „God Save the King“. Und wenn schließlich ein Würdenträger, der zuvor auf den Schultern zum zentralen Platz des Ortes getragen wurde, den speziell angefertigten Ball in die Menge wirft, geht es los. Im Jahr 2003 wurde diese Ehre auch dem aktuellen König, damals noch Prinz Charles, zuteil. 
Die Menge drängt zum Ball und alle werden unweigerlich mitgezogen. Dieses Menschenknäuel heißt ‚the hug‘ (die Umarmung). Wer darin ist, muss mit.

Shrovetide Football: die Regeln

Die Regeln des Spiels? Ganz einfach, es darf niemand getötet werden, unnötige Gewalt ist verpönt und Friedhöfe, Kirchengrund und Gedenkstätten sind ebenfalls tabu. Es ist auch strikt verboten, den Ball mit einem motorisierten Gefährt oder in einer Tasche zu transportieren. Aber alles andere ist erlaubt. Das Spiel dauert maximal bis zehn Uhr abends. Sollte bis sechs Uhr abends ein Tor gefallen sein, gibt es einen erneuten Einwurf. Fällt das Tor später, ist das Spiel zu Ende und es geht am nächsten Tag weiter.

Ein Tor gilt, wenn der teameigene Stein-Obelisk am Ufer des Flusses dreimal mit dem Ball angetippt wurde. Wer ein Tor erzielt, darf den Ball als Erinnerungsstück behalten.

Die handgefertigten Bälle sind mit portugiesischem Kork gefüllt, sodass sie auch im Fluss schwimmen. Vor dem Spiel erhalten sie eine kunstvolle Bemalung, die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Würdenträger steht. Nach einem Tor kommt ein persönliches Motiv für den Torschützen hinzu, in dessen Besitz der Ball anschließend übergeht. Fällt kein Tor, erhält der Würdenträger den Ball als Erinnerung. In den Pubs des Ortes lassen sich während des Spektakels viele Bälle der vergangenen Jahre bestaunen.

Die Ursprünge der Tradition

Erste Aufzeichnungen zu Shrovetide Football hinterließ ein Mönch aus dem 12. Jahrhundert. Früher wurden solche Spiele überall in Großbritannien gespielt. Heute finden sie traditionell nur noch in einigen wenigen Orten statt. Das Spiel in Ashbourne ist das größte und bekannteste.

Seit 1922 darf es sogar Royal Shrovetide Football heißen, denn Bewohner schenkten damals Prinzessin Mary den Ball zur Hochzeit. Im Jahr 1928 war zudem der spätere König Edward VIII. als Prince of Wales der einwerfende „Turner-Up“, was ihm damals eine blutige Nase einbrachte. Denn das Spiel ist handfest und kann ziemlich schmerzhaft sein.

Gefahr und Freude zugleich

Ladenbesitzer verbarrikadieren deshalb ihre Schaufenster und Teilnehmer rechnen schon einmal vorsorglich mit Knochenbrüchen. Denn erlaubt ist, was zum Sieg führt. Es ist nahezu ein Wunder, dass in den Jahren, seit es konkrete Aufzeichnungen dazu gibt, nur zwei Todesopfer zu beklagen sind. Im Jahr 1878 ertrank ein Spieler im Fluss und 2018 erlitt ein Teilnehmer nach dem Spiel einen Herzinfarkt. Auch wenn Shrovetide Football auf Außenstehende brutal und anarchisch wirkt, sind solche Tragödien glücklicherweise die Ausnahme.

Mit Knochenbrüchen ist jedoch immer zu rechnen und so mancher Veteran zieht sich nach einigen Jahren aktiver Spielzeit aufgrund zu vieler Blessuren zurück. Doch Verletzungen tun der Freude keinen Abbruch. Oder wie sagte ein Teilnehmer: „Das ist das Ereignis des Jahres hier. Weihnachten kommt und geht, und niemanden interessiert es. Aber alle freuen sich jedes Jahr auf Shrovetide.“

Dieses kurze Video zeigt, warum das Spiel so besonders ist.

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