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Das Ende der stolzen „Mary Rose“

Das Ende der stolzen „Mary Rose“

Das restaurierte Wrack der „Mary Rose“ im Museum in Portsmouth.

Heinrich VIII. war nicht bekannt für schwache Nerven, aber dieser Anblick muss sogar ihn entsetzt haben: Vor seinen Augen sank am 19. Juli 1545 sein stolzestes Kriegsschiff, die „Mary Rose“, mit mehreren hundert Mann an Bord. Dieses Schiff ist gewissermaßen die englische Version der „Vasa“. 1982 wurde sie – nachdem man vorher lange nach ihr gesucht hatte – gehoben, aufwendig restauriert und dann in Portsmouth in einem eigens für sie gebauten Museum ausgestellt. Momentan ist es leider noch geschlossen, aber wir bekommen auch online einiges zu sehen: https://maryrose.org/#your-virtual-visit

Anders als ihre schwedische Schwester „Vasa“ sank die Mary Rose nicht gleich bei ihrer Jungfernfahrt wegen Konstruktionsfehlern, im Gegenteil sie hatte schon mehr als dreißig Jahre auf dem Buckel und mehrere Kriege überstanden. Doch die Seeschlacht gegen die Franzosen in der Meerenge Solent, bei der es um die Eroberung der Isle of Wight ging, sollte ihre letzte sein. Obwohl das Schiff nicht getroffen worden war, bekam es plötzlich Schlagseite und versank in den Wellen. Von den mindestens 400 Menschen an Bord überlebten nur 25 oder, nach anderen Quellen, 35 – tragischerweise war das Deck mit Netzen bespannt, um ein Entern zu verhindern. Dadurch kamen aber die Seeleute von den unteren Decks nicht mehr ins Freie.

Vom Rumpf der „Mary Rose“ ist nur etwa die Hälfte erhalten; Würmer und Mikroorganismen haben jahrhundertelang an ihr genagt. Aber sie ist im Museum optimal präsentiert, sodass man sich das Leben an Bord recht gut vorstellen kann. Viele Alltagsgegenstände – von Würfeln über Töpfe und Krüge bis zu chirurgischen Instrumenten (deren Einsatz man sich in einer Zeit ohne Betäubungsmittel gar nicht vorstellen möchte) – sind im Wrack gefunden worden. Natürlich wurden auch Knochen und mehr als 90 komplette Skelette geborgen, darunter die Überreste von Schiffsjungen, die wohl nicht älter als 13 waren. Auch ein Hundeskelett kam mit dem Wrack ans Tageslicht. Das Museum hat den Hund „Hatch“ genannt.

Warum ging die „Mary Rose“ unter? Es gibt verschiedene Theorien, die alle nicht bewiesen sind – vom Navigationsfehler über eine plötzliche starke Bö bis zur Überladung mit Kanonen. Vielleicht wird es nie geklärt.

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