Die feine englische Art

Die Schatzhüter, Teil eins: National Trust


Der Giant's Causeway in Nordirland

Ob Schloss oder Strand, ob Kirche oder Kneipe: Schönes für die Gegenwart und auch die Nachwelt zu erhalten, ist die Aufgabe des National Trust. Diese Organisation, die in England, Wales und Nordirland aktiv ist, hat viereinhalb Millionen Mitglieder und ist eine der größten „charities“ weltweit. Was in ihrem Besitz ist, das bleibt auch dort und kann von Rechts wegen nie mehr verkauft werden. Mehr als 200 historische Häuser und Gärten, große Teile des Lake und des Peak Districts und ganze Küstenstreifen gehören dem National Trust, hinzu kommen große Kunstsammlungen. Und auch ein Arbeitshaus sowie die Liverpooler Reihenhäuschen, in denen Paul McCartney und John Lennon aufwuchsen, gehören zur Kollektion.

Der komplette Name der Stiftung lautet „National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty“, also für Orte historischen Interesses oder natürlicher Schönheit. Mit beiden sind die Britischen Inseln reich gesegnet. Sorge um den Erhalt dieser Stätten machten sich Ende des 19. Jahrhunderts drei Menschen, die als Gründungsmutter und -väter der Organisation gelten, nämlich die Sozialreformerin Octavia Hill, der Anwalt Robert Hunter und der Geistliche Hardwicke Rawnsley.  Unter dem Eindruck der Industriellen Revolution entwickelten sie den Wunsch, Kulturerbe und Natur zu schützen, erstens für die Bevölkerung (und zwar die gesamte Bevölkerung, nicht nur einige wenige!) und zweitens vor dem Zugriff durch Geschäftemacher. Damit waren die drei ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Heute beschäftigt der National Trust 10000 Angestellte, von der Kuratorin bis zum Gärtner, und ein ganzes Heer von Freiwilligen. Mitglieder haben freien Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten, die von der Stiftung betreut werden – und da die Eintrittspreise teilweise happig sind, lohnt sich das. Wir Touristen können aber kostenlos besichtigen, wenn wir vor der Reise einen National Trust Touring Pass kaufen (mehr dazu unten). Die meistbesuchte Attraktion im Besitz des Trust ist übrigens ein Naturwunder, nämlich der wirklich wunderbare Giant´s Causeway in Nordirland, der aus erstarrten Basaltsäulen besteht und ins Meer führt wie die Straße eines Riesen…daher der Name. Auf Platz zwei steht der romantische Park von Stourhead (ebenfalls sehr empfehlenswert, er wirkt buchstäblich wie gemalt), auf Platz drei das Landschloss Cliveden mit seinem spektakulären Park, in den frühen 1960ern Schauplatz der Profumo-Affäre.

Der National Trust bekommt viele seiner Besitztümer geschenkt oder für wenig Geld übereignet – zum Beispiel ein großes Landhaus, dessen Unterhalt sich heute kaum jemand leisten kann. Je nach Vereinbarung können die früheren Eigentümer sogar weiter darin wohnen. Eine Hoch-Zeit für diese Art der Akquise war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die damalige Labour-Regierung dem Landadel mit sehr hohen Steuern zusetzte (wir erinnern uns, dass auch Lord Grantham von Downton Abbey zusehen musste, wie er das Geld zusammenkratzte). Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die nächste Welle, viele Eigentümer trennten sich von ihren riesigen Anwesen. Allein die Gebäude zu erhalten und zu heizen und die Gärten zu pflegen, verschlingt riesige Summen. Daher ist der National Trust auf Spenden, Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder angewiesen. Präsident ist übrigens Prince Charles, eine sehr passende Wahl, denn er liebt klassische Architektur ebenso wie Pflanzen und Tiere.

Den National Trust Touring Pass gibt es hier zu kaufen: https://www.visitbritainshop.com/deutschland/national-trust-touring-pass

Auf der Internetseite der Stiftung finden sich viele, viele Tipps für Ausflüge und Besichtigungen, und man kann besonders hübsche historische Ferienhäuschen mieten: www.nationaltrust.org.uk

 

 

 

 


 

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