Die feine englische Art

Der Star-Designer aus Glasgow: 150 Jahre Charles Rennie Mackintosh


Charles Rennie Mackintosh war ein großer Künstler, ein Star-Designer, ein berühmter Architekt. Ein Lebenskünstler war er nicht. Trotz seiner immensen Begabung geriet der Mann, der am 7. Juni vor 150 Jahren in Glasgow als Sohn eines Polizisten geboren wurde, in finanzielle Schwierigkeiten und starb schließlich verarmt. Aber sein Werk hat ihn überdauert.

Mackintosh, der eigentlich echt schottisch McIntosh hieß, hat eine besondere Variante des Jugendstils entwickelt, die mit fernöstlichen Einflüssen, floralen Elementen und strenger Geometrie spielt. Man nennt sie auch Glasgow Style. Sofort erkennbar sind seine berühmte Mackintosh-Rose und die Stühle mit der Sprossenlehne. In seiner Heimatstadt hat er zahllose steinerne Zeugnisse seiner Kunst hinterlassen: die Kunstakademie, die derzeit nach einem Brand restauriert wird (aber trotzdem besucht werden kann), das Lighthouse, heute ein Kulturzentrum, die Kirche Queen‘s Cross, das erst in den 1990ern nach seinen Plänen gebaute House for an Art Lover (den Entwurf hatte er 1901 für den Wettbewerb einer deutschen Zeitschrift eingereicht). Westlich von Glasgow in Helensburgh steht sein Hill House. Etwas ganz Besonderes ist auch das Museum 78 Derngate an der gleichnamigen Adresse in Northampton – das einzige große Werk Mackintoshs in England. Absolut sehenswert!

Mackintoshs Glanzzeit war das späte 19. Jahrhundert: Er konnte sich vor Aufträgen kaum retten, bildete mit seiner Frau Margaret, deren Schwester und ihrem Mann das Dreamteam The Four, führend in der Kunstszene Glasgows. Für die Abstinenzler-Bewegung – die den Schotten Tee als Alternative zum Whisky nahebringen wollte – entwarf er die berühmten Willow Tea Rooms. Sie sind als Nachbau und demnächst auch wieder im Original zu bestaunen. Allerdings war der Künstler selbst kein Abstinenzler, sondern hatte im Gegenteil ein Alkoholproblem, was seinen Abstieg einleitete. Das Architekturbüro, dessen Teilhaber er war, komplimentierte ihn hinaus, Geldprobleme folgten. Mackintosh zog mit seiner Frau nach London, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Vor 90 Jahren starb er dort an einer schweren Krankheit, er wurde nur 60 Jahre alt.

Lange Zeit waren seine Kunstwerke und Designstücke aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, erst in den 1970ern kam Jugendstil wieder in Mode. Wohl dem, der sich vorher einige Stücke Mackintoshs gesichert hatte. Sie wurden über Nacht wertvoll.

Mehr über Glasgows großen Sohn: www.glasgowmackintosh.com

Die Kelvingrove Art Gallery in seiner Heimatstadt zeigt derzeit eine Ausstellung über sein Werk (bis 18. August).


 

 

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