Die feine englische Art

Wallis und der König


Manche Liebesgeschichten machen Politik und verändern ein wenig die Welt. Das gilt eindeutig für die Beziehung Edwards aus dem Hause Windsor – Onkel der heutigen Queen – zu der Amerikanerin Wallis Simpson. Schon als Thronfolger hatte er sich in sie verliebt, durfte sie aber nicht heiraten, da sie zweimal geschieden war (heute, das wissen wir von Charles und Camilla, ist das kein Hemmnis mehr). Was tat er? Nach nur elf Monaten als König Edward VIII. trat er zurück und reichte die Krone an seinen wenig erfreuten Bruder weiter, der eigentlich Albert hieß, sich aber auf dem Thron den Namen George VI. gab. Das ist der Papa der heutigen Königin.

Edward heiratete seine große Liebe – und zwar vor genau 80 Jahren, im Juni 1937.  Das Paar trug fortan den Titel Duke und Duchess of Windsor. So romantisch, wie die Geschichte klingt, war sie aber dann doch nicht – auch wenn die Ehe hielt und beide bis zum Tode Edwards 1972 zusammenblieben. Denn die Entscheidung hatte massive Auswirkungen. Die Queen war, so sagt man, war und ist überzeugt davon, dass ihr geliebter Vater nur deshalb so früh (mit 56 Jahren) starb, weil er den Belastungen des Amtes nicht gewachsen war. Er wollte ja nie König werden, war schüchtern und stotterte, was wir spätestens seit dem Film „The King´s Speech“ wissen. Seine Tochter Elizabeth folgte ihm als Monarchin.

Die Abdankung Edwards stürzte zudem das Königreich und auch das Königtum als Institution in eine tiefe Krise. Dass Edward und Wallis eine gewisse Nähe zu Hitlerdeutschland demonstrierten, war ebenfalls nicht hilfreich. Ein Zerwürfnis mit der Familie war die Folge, das bis zu Edwards Tod nicht zu kitten war. Auch Elizabeth hat ihren Onkel nur sehr selten gesehen, er wurde zu offiziellen Anlässen zunächst nicht eingeladen (seine Gattin schon mal gar nicht). Und als sich diese Politik änderte, wollte er nicht mehr kommen.

In einem Psychogramm der königlichen Familie haben wir mal gelesen, dass für die Queen – aus diesen Erfahrungen heraus – Würde, familiärer Zusammenhalt und eine intakte Fassade überaus wichtig sind. Und wie so oft im Leben: Wenn man ein Ziel krampfhaft verfolgt, tritt der gegenteilige Effekt ein. Es muss sehr schlimm für sie gewesen sein, als die Ehen ihrer Kinder Anne, Charles und Andrew scheiterten.  Heute ist ja einigermaßen Ruhe in der „Firma“, wie sie angeblich sagt, und die Königin wirkt viel glücklicher und entspannter. Der Schatten von Edward und Wallis ist verblasst. 


 

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