Die feine englische Art

Stadtmenschen, Teil drei: Die Brummies


„Brummie“, das klingt so gemütlich. Es kommt von „Brum“, dem Spitznamen Birminghams. Diese Stadt im mittleren Westen ist die zweitgrößte nach London und war früher ein Zentrum der Industrie, vor allem der Metallindustrie. Die Einheimischen nennen sich Brummies und sprechen auch Brummie und, ja, sie sind gemütlich. Ihr Dialekt wird allerdings mitunter als der unattraktivste des Landes und als besonders schwer verständlich gescholten. Wir sagen: Das ist sehr ungerecht! Wer sich selbst ein Bild machen möchte, schaut sich mal ein Interview mit Ozzy Osborne an, das ist ein waschechter Brummie, der seinen Akzent auch in den USA hartnäckig pflegt. Tatsächlich ist er nicht immer leicht zu verstehen, ob das ein Nachteil ist, mögen andere beurteilen…Jedenfalls beschränkt sich der Brummie-Akzent auf die Stadt und ihre nächste Umgebung, im angrenzenden Black Country spricht man anders.

Birmingham ist nicht Englands schönste City, aber interessant. Die Bevölkerung gilt als die ethnisch vielfältigste in ganz Großbritannien, geprägt von Menschen mit Wurzeln aus Pakistan, Jamaika und Irland. Das ist einerseits eine Herausforderung, hat andererseits zu einer entsprechend lebhaften Kultur-, Festival- und Restaurantszene geführt. Ob St. Patrick´s Day, karibische Paraden oder Diwali, hier wird alles ausgiebig gefeiert. Es gibt ein ganzes Viertel voller Curryrestaurants, die sich „Inder“ nennen, aber tatsächlich pakistanisch sind. Mit dem „Birmingham Balti“ hat die Stadt ein eigenes lokales Currygericht, das im ganzen Land bekannt ist.

Was die Architektur angeht, waren die Brummies immer experimentierfreudig, leider auch in den 1960ern und 1970ern, was einige furchterregende Bauten zur Folge hatte. Inzwischen sind viele Sünden der Vergangenheit beseitigt, dafür gibt es neue „landmarks“ wie etwa die kühne Fassade des Kaufhauses Selfridge oder die Bücherei. Auf jeden Fall sehr interessant anzuschauen. Die Stadt hat außerdem ein Kanalnetz, das aus der industriellen Hoch-Zeit stammt. Der Vergleich mit Venedig ist zwar übertrieben, aber Idylle am Wasser gibt es auch hier!


 

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