Die feine englische Art

Die Akademie für Müßiggang


Wir haben alle „zuviel auf unserem Teller“, wie die Briten sagen: Job, Familie, Haushalt, Hobbys, Ehrenämter, dazwischen noch der eine oder andere Halbmarathon…Gut, dass es in England die „Idler Academy“ gibt, die Akademie für Müßiggänger. Die bringt uns wieder runter und zu den wesentlichen Dingen des Lebens wie zum Beispiel: Gedichte schreiben, ein Konzept fürs eigene Utopia entwerfen, Ukulele spielen, als blutiger Anfänger singen lernen sowie die Grundzüge der Philosophie studieren und endlich englische Interpunktion kapieren.

Eigentlich ist „The Idler“ eine Zeitschrift, die gedruckt (laut Produktwerbung für all jene, die „diesen Internet-Quatsch“ nicht mitmachen wollen) sowie online erscheint. Tom Hodgkinson hat sie gegründet. Er ist ein Gentleman neuerer Schule, ein Lebemann mit breit gefächerten Interessen, aber wenig Freude am starren Arbeitszeiten, Leistungsvorgaben und Bewerbungsgesprächen. Als er – nach eigenen Angaben gottlob – seinen Job verlor, der ihn zu Tode gelangweilt hatte, kam ihm die Idee zu einer alternativen und trotzdem stilvollen Lebensform, die auch wirklich ihren Reiz hat. Er hat mehrere sehr erfolgreiche Bücher geschrieben, die ihm helfen, diesen Traum zu finanzieren, darunter „Business für Bohemians“ und ein „Leitfaden für faule Eltern“.

Früher betrieb Hodgkinson in London einen Buchladen mit Café, in dem nicht-virtuelle Kurse stattfanden (wer Meike Winnemuths Wer-wird-Millionär-Weltreisen-Buch gelesen hat, erinnert sich vielleicht an den Sticklehrgang, den sie dort mit viel Freude absolviert hat). Aber mittlerweile ist er mit den Kursen überwiegend ins Internet gewechselt, was ja auch weniger aufwendig ist und weder Miete noch wertvolle Lebenszeit fürs Hin- und Herfahren kostet.

„Idler“, mit Ei-Laut gesprochen, wird manchmal mit „Nichtstuer“ oder „fauler Mensch“ übersetzt, aber das trifft es eben nicht so ganz. Ein „Idler“ tut durchaus etwas, nur eben nicht das, was alle anderen auch tun. Sondern nur, was ihn oder sie weiterbringt, Spaß macht, einen „Flow“ zur Folge hat und niemals zu verkrampften Nackenmuskeln führt. Geld darf man trotzdem damit verdienen.

Well done, Mr. Hodginson! www.idler.co.uk

 

 


 

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