Die feine englische Art

Aus alt mach neu: König Artus


Abbildung aus dem 15. Jahrhundert

König Artus oder auch Arthur, der sagenhafte Herrscher Großbritanniens, hat es schon viele Male auf die Leinwand geschafft – in gewaltigen Epen à la „Excalibur“, als Cartoon (unter anderem in Disneys „Merlin und Mim“) und als Satire von Monty Python. Er ist eine der beliebtesten Figuren der Unterhaltungsindustrie, vergleichbar mit dem weniger edlen Dracula oder mit Sherlock Holmes. Die jüngste Version der Legendenverfilmungen ist gerade in unseren Kinos angelaufen: „King Arthur – Legend of the Sword“. Regie führte Guy Ritchie, der es eigentlich nicht verdient hat, immer nur als Ex-Mann von Madonna bezeichnet zu werde. Denn er ist künstlerisch sehr produktiv. Ob auch das neueste Produkt geglückt ist, muss jede(r) selbst beurteilen. Jedenfalls bietet der Film spektakuläre Kulissen, teils per Computer erschaffen, teils im walisischen Snowdonia aufgenommen. Der Hauptdarsteller Charlie Hunnam wirkt rein optisch, als sei er aus der Hipster-Szene ins 5. Jahrhundert gereist, aber das sagt ja nichts über seine schauspielerischen Leistungen…

Wieso ist Arthur eine solch unsterbliche Figur geworden? Ob er wirklich gelebt hat oder nicht, darüber ist sich die Wissenschaft uneins; viele glauben aber, dass er eine Fiktion aus der unruhigen Zeit der Völkerwanderung ist. In jedem Fall ist die Artussage eine der großen Geschichten der Menschheit mit allem, was dazugehört: Liebe und Hass, Freundschaft und Verrat, pures Machtstreben im Gegensatz zu weiser Herrschaft und Gerechtigkeit – das sind Elemente, die auch das Nibelungenlief zu einem Klassiker machen. Hier wie dort spielt Magie eine Rolle, und bei Artus kommt ein Erlösermythos dazu:  Er weilt seit seinem Tode auf der sagenhaften Insel Avalon und kehrt, wenn die Zeit reif ist, zurück.

Arthurs Geschichte wird durch die Jahrhunderte in verschiedenen Varianten erzählt, auch die Schauplätze wechseln. Mal ist der König seiner Frau Guinevere (und sie ihm!) in treuer Liebe verbunden, mal hintergeht sie ihn mit seinem Lieblingsritter Lancelot. Mal ist er bekennender Christ, mal ein Heide. Mal steht ihm Merlin zur Seite, mal nicht. Gemeinsam ist den Versionen, dass Artus der Auserkorene ist – denn er zieht das magische Schwert Excalibur aus dem Stein und legitimiert sich damit als Herrscher. Und: Er regiert als kluger und gütiger König, der sich von seinen Rittern der Tafelrunde auf Schloss Camelot beraten lässt - eine ganz frühe Form des Parlaments, vielleicht abgeschaut von der Staatsform der Römer, die ja zuvor Besatzer Britanniens waren. Wie das Nibelungenlied wurde die Sage in ihren unterschiedlichen Versionen zunächst mündlich weitergegeben, die früheste schriftliche Version stammt aus dem 12. Jahrhundert, also erheblich später als die Zeit der Handlung. 

Die runde Tafel ist übrigens in Winchester Castle ausgestellt und sehr sehenswert. Leider ist es nachweislich nicht das Original, sondern stammt aus dem 13. Jahrhundert. Heinrich der Achte, dem immer an seiner Außenwirkung gelegen war, ließ sie im 16. Jahrhundert überarbeiten und nahm höchstselbst an ihr Platz. Beliebt und verehrt wie König Artus wurde er deshalb trotzdem nicht. Da gehört halt mehr dazu. 


 

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