Die feine englische Art

April, April!


Es ist ja schon ein bisschen tragisch: Kinder haben mit Abstand den größten Spaß daran, jemanden in den April zu schicken – aber das geringste Talent dafür. Das weiß jeder, dem ein kleiner Mensch schon mal kichernd, prustend und grinsend mitgeteilt hat, er oder sie habe ein Loch in der Hose. Oder etwas ähnlich Originelles. Offenbar muss man schon ein bisschen Lebenserfahrung haben, um sich erstens einen glaubhaften Quatsch auszudenken und ihn zweitens mit Pokerface rüberzubringen. Tja, Lügen ist nicht angeboren, Lügen wird erlernt!

Im Englischen heißt der 1. April „April Fools´ Day“, und wer auf mehr oder weniger witzige „hoaxes“ hereinfällt, ist ein „April Fool“. Woher der in ganz Europa und Amerika verbreitete Brauch stammt, weiß letztlich niemand. Eine Erklärung, die uns mal präsentiert wurde, war: Am 1. April wurde Judas geboren, und deshalb ist das ein Unglückstag. Wir vermuten, dass es sich hierbei um einen mäßigen Aprilscherz gehandelt hat, denn wann Judas geboren wurde, ist nirgendwo dokumentiert. Und unter Unglückstag stellen wir uns etwas anderes vor, als auf blöde Witze hereinzufallen.

Zu den weltweit bekanntesten (und erfolgreichsten) Aprilscherzen, die in Großbritannien ihren Ursprung hatten, gehört der bereits letztes Jahr an dieser Stelle zitierte Spaghettibaum, der angeblich im Tessin wächst und reiche Ernte bringt – Thema einer stockseriösen Bildungssendung der BBC im Jahr 1957. Auf große Resonanz stieß auch eine Anzeige für die beliebten Polo-Pfefferminzbonbons, die 1995 vom Hersteller in britischen Zeitungen veröffentlicht wurde: Demnach müsse das Loch in der Mitte – Erkennungsmerkmal des klassischen Polo Mints – künftig aufgrund von EU-Verbraucherschutzvorschriften geschlossen werden. Daher würden alle Polo-Rollen ab sofort mit einem „Euro Conversion Kit“ geliefert, mit dem Konsumenten die Mitte ausfüllen und sich ein schönes komplettes Bonbon basteln sollten. Ob das irgendwer geglaubt hat? Solche Scherze gehören jedenfalls bald der Vergangenheit an, liebe Briten!

Ganz zeitlos ist dagegen ein „Fruit Fool“, ein leckerer englischer Nachtisch aus Sahne, pürierten Früchten und Zucker. Er hat mit dem 1. April eigentlich nichts zu tun, aber der Name passt so gut. Wir wählen dafür das einzige einheimische Obst, das jetzt schon zu haben ist: Rhabarber. Der kommt gerade in die Läden (und ja, wir wissen, dass er eigentlich ein Gemüse ist, aber er schmeckt halt wie Obst). Für unser „April Fool“ also 400 Gramm Rhabarber in Stücke schneiden, mit vier bis fünf Esslöffel Zucker aufkochen und sanft garen lassen, bis er zerfällt. Flüssigkeit abgießen und den Rhabarber abkühlen lassen. Einen Becher Sahne mit etwas Vanillezucker steif schlagen, den weichen Rhabarber unterziehen, eventuell nachzuckern, in dekorative Gläser füllen und servieren. Happy April Fools´ Day! 


 

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