Die feine englische Art

Royale Roben, Teil zwei: Das Kleid der Königin


Elizabeth I., von 1558 bis zu ihrem Tod 1603 Königin von England und Irland, ist auf jedem ihrer Porträts prachtvoll – und immer wieder anders – gekleidet. Trotzdem war bisher kein einziges Kleidungsstück, das sie getragen hat, gefunden worden. Bis jetzt.

Die Fachwelt ist außer sich vor Freude über die spektakuläre Entdeckung: Ein reich besticktes Altartuch, das in der Dorfkirche von Bacton  in Herefordshire aufbewahrt wurde, stammt wahrscheinlich von einem der königlichen Prunkgewänder. Und nicht nur das, es gibt sogar ein Gemälde – das sogenannte „Rainbow Portrait“ der Königin –, auf dem dieser Stoff abgebildet ist. Zumindest ist er sehr, sehr ähnlich mit seinen Blumenranken und anderen Stickmotiven. Eine Kuratorin spricht sogar vom „Heiligen Gral  der Mode“, der nun gefunden sei.

Dass Elizabeths Kleider so wenig bis gar nicht erhalten sind, hat drei Gründe. Zum einen natürlich die Zeit – Stoff ist empfindlich, er zerfällt einfach, wenn er nicht besonders sorgfältig gelagert wird. Zweitens ließ der Puritaner Oliver Cromwell, nachdem er im 17. Jahrhundert an die Macht gekommen war, das Inventar der königlichen Kleiderkammern verkaufen und so in alle Winde zerstreuen. Drittens waren vornehme Kleider damals ganz generell so teuer und kostbar, dass sie kräftig recycelt wurden, zum Beispiel als Kissenbezüge. Oder eben als Altardecke.

Aus dem Dorf Bacton stammt Blanche Parry, eine der Lieblings-Hofdamen der Königin. Sie hatte Elizabeth schon als Baby in der Wiege geschaukelt und verstarb nach 57 (!) Jahren in ihren Diensten. Es spricht also einiges dafür, dass die Königin ihre abgelegte Robe an die Hofdame weiterreichte. Und diese oder ihre Nachfahren stifteten den kostbaren silberdurchwirkten Stoff schließlich an die Kirchengemeinde. Die Pfarrer und Einwohner von Bacton haben offenbar gut darauf achtgegeben und schon vor hundert Jahren entschieden, dass dieses kostbare Tuch – das aus dem Rock geschneidert wurde – nicht mehr den Altar schmücken solle. Stattdessen wurde es bis vor kurzem in einem Glaskasten ausgestellt.

Nun wird es restauriert und danach wahrscheinlich in  Hampton Court Palace präsentiert. Der Kirche von Bacton bleibt ein Monument, das Blanche Parry selbst errichten ließ und dass sie knieend neben ihrer glanzvoll geschmückten Herrscherin zeigt – ein frühes Zeugnis der Verherrlichung Elizabeths.


 

Kommentar hinzufügen

Ihr Kommentar wird von der Redaktion gelesen und frei geschaltet.

Bitte füllen Sie das folgende Formular aus.
(alle mit einem * markierten Felder müssen ausgefüllt sein)

Ihre Daten werden ausschliesslich intern genutzt und zu diesem Zweck in elektronischer oder schriftlicher Form gespeichert. Eine Weitergabe Ihrer Daten oder Teile davon erfolgt ausdrücklich nicht.