Die feine englische Art

Zum Tod von Alan Rickman


Wieder müssen wir uns von einem britischen Künstler verabschieden, der uns viele unterhaltsame Stunden beschert hat. Alan Rickman ist heute im Alter von 69 Jahren gestorben. Seine bekannteste Rolle war die des Severus Snape in den Harry-Potter-Filmen, seine (rein subjektiv bewertet…) vielleicht schönste die des untreuen Gatten in „Tatsächlich…Liebe“. Als letztes spielte er Ludwig den Vierzehnten in der „Gärtnerin von Versailles“ – eine gar nicht so große Rolle, die er wie immer perfekt gestaltete.

 

Rickman ist in London geboren (und gestorben); er war das Kind irisch-walisischer Eltern. Sein Vater starb, als er acht war – ebenfalls an Krebs. In jungen Jahren zeigte sich, dass Alan ein ausgeprägtes künstlerisches Talent hatte, und zwar fürs Zeichnen ebenso wie fürs Schauspielern. Er entschied sich für die Bühne und spielte in verschiedenen Shakespeare-Stücken, ehe er im Fernsehen und beim Film landete. In manchen Nachrufen heißt es, er sei auf Bösewichte spezialisiert gewesen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Immer wieder hatte er auch sympathische Figuren im Repertoire, darunter den Colonel Brandon in „Sinn und Sinnlichkeit“. Snape, für den ihn J.K. Rowling persönlich ausgesucht hatte, ist ja auch nicht ausschließlich düster, sondern hat noch eine andere Seite. Ludwig den Vierzehnten spielte er als einen Mann, der selbstbewusst auftritt, aber auch einsam und in seiner königlichen Rolle wie erstarrt wirkt.

 

Wer ihn nur in deutschen Synchronfassungen kennt, weiß vielleicht gar nicht, was für eine ungewöhnliche und markante Stimme Alan Rickman hatte – und einen schleppenden Tonfall, der seinen Figuren etwas Geheimnisvolles verlieh. Zwei Forscher, die das Geheimnis der „perfekten Stimme“ ergründeten (Themen gibt´s in der Wissenschaft!), kamen 2008 zu dem Ergebnis, eine Kombination der Stimmen von Alan Rickman und Jeremy Irons sei ideal.

 

Privat war Rickman, anders als sein Harry in „Tatsächlich…Liebe“, offenbar ziemlich solide. Mit seiner Freundin Rima Horton, die er seit seinem 19. Lebensjahr kannte, war er bis zum Lebensende zusammen. 2012 haben die beiden geheiratet.

 

Der letzte Film, an dem Alan Rickman gearbeitet hat, ist „Alice – Through the Looking Glass“, der im Mai 2016 in den USA in die Kinos kommt (Filmstart bei uns steht noch nicht fest). Es ist eine reine Sprechrolle: Er übernahm die Stimme der Raupe Absolem. Auf Wiederhören, Mr. Rickman!

 


 



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